Rhythmus und Ton im Spiegel von Körper, Architektur und Stadt

Willi Baumeister, Ella Bergmann-Michel, Henryk Berlewi, Erich Buchholz, Walter Dexel, Werner Drewes, Franz Ehrlich, Franz J. Esser, Lyonel Feiniger, Erich Fritzsche, Paul Fuhrmann, Kevin Fuchs, Jakob Ganslmeier, Jerzy Grabowski, Hans Haffenrichter, Ludwig Hirschfeld-Mack, Johannes Itten, Alexander Janetzko, Jerzy Jankowski, Ida Kerkovius, Felix Kube, Marek Lalko, Frans Masereel, Laszlo Moholy- Nagy, Henrik Neugeboren (Henri Nouveau) , Alexander Rodtschenko, Karl Peter Röhl, Kurt Schmidt, Max Schwimmer, Esther Stocker, Kurt Teubner

Die Ausstellung untersucht das Verhältnis ästhetischer und inhaltlicher Konzepte neuen Bauens der 1920er- und 1930er-Jahre sowie Bild-vorstellungen zu musikalischen und rhythmischen Prinzipien. Dabei werden konkrete Bezüge zu Architekturen dieser vergleichsweise „Unbekannten Moderne“ in Frankfurt (Oder) sowie Orten in der Grenzregion im westlichen Polen hergestellt.

Oft oszillierten in jener Phase der Moderne ästhetische Gestaltungsansätze zwischen abstrakten Bildvorstellungen und schematischer Gegenständlichkeit. Immer wieder rückte hierbei die gesellschaftliche Komponente des Alltags ins Zentrum theoretischer und praktischer Überlegungen und Utopien. Analog zu künstlerischen Bildkonzepten wurden im Zuge von Reformideen Konzepte des Zusammenspiels von Mensch, Architektur und Stadtraum mit einen Gesamtheitsanspruch unmittelbar miteinander verknüpft.

Die Ausformulierung von alltäglichen Lebens- und Handlungsräumen war auf das Engste mit Vorstellungen über Bildung und Erziehung des neuen, reformierten Menschen verwoben. Da musikalische und rhythmische Grundsätze nicht nur immaterielle, akustische (Bewegungs-)Räume anlegen, sondern auch mit strukturellen Bezügen zwischen Körper und Raum operieren, dienten jene Regelwerke von Tonkunst und Klang vielfach als Basis für Bild- und Architekturkonzeptionen. Klangstrukturen und musikalische Regelwerke wurden in Gliederungsprinzipien für Bildwerke, Gebäudefassaden und -grundrisse, aber auch urbane Räume transponiert.

Die Ausstellung reflektiert daher Zusammenhänge zwischen Prinzipien, die sich an Musik und Bewegung orientierten, und den pädagogisch-erzieherischen Utopien der Reformbewegung und des Bauhauses. Im Fokus steht die Frage, auf welche Weise sich diese Beziehungen zwischen Raum und menschlichem Körper in Bild, Architektur und Stadtvorstellungen der 1920er- und 1930er-Jahre eingeschrieben haben.

Über unterschiedliche Kapitel verknüpft die Präsentation inhaltliche und zeitliche Ebenen: „Neue Städte – Neue Menschen“ spannt den Bogen von künstlerischen Bildwerken der 1920er- und 30er-Jahre über historische Stadt- und Architekturkonzepte zum Blick nachfolgender Künstler*innengenerationen, die sich seit den 1970er-Jahren und bis heute mit den gesellschaftlichen und ästhetischen Grundlagen und Bedeutungen der Moderne beschäftigen.

Ein Teil der Ausstellung widmet sich konkreten Gebäuden wie u. a. dem Musikheim und der Hindenburgschule in Frankfurt (Oder) oder dem Stadttheater in Zielona Góra, indem historisches Archivmaterial die Ursprungskonzepte jener Bauten nachvollziehbar macht. Den Abgleich zum aktuellen Status Quo stellen zeitgenössische Fotografien her, die den heutigen Zustand sowie die Nutzung jener Bauten dokumentieren und interpretieren.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Erich Fritzsche, o. T., 1928, Aquarell, Feder in Tusche und Grafit auf Papier, Sammlung Fritz Zuschlag, Bodo Wieneke Zuschlag, Köln © Nachlass Künstler
27.10.2019 - 12.01.2020

Unbekannte Moderne. Neue Städte – Neue Menschen

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Rathaushalle

Marktplatz 1
15230 Frankfurt (Oder)