Ästhetische und gesellschaftliche Utopien in Malerei, Fotografie, Druckgrafik und Design der 1920er- und 1930er-Jahre

Mit dem Ausstellungsprojekt UNBEKANNTE MODERNE widmet sich das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst einem Diskurs um die Moderne. Im Zentrum stehen Fragen nach Bildvorstellungen, die den Zusammenhängen zwischen sozialkritischen Betrachtungen und gesellschaftsreformerischen sowie ästhetischen Utopien in den 1920er- und 30er-Jahren nachspüren. Die insgesamt fünf Ausstellungen an beiden Museumsstandorten in Cottbus und Frankfurt (Oder) präsentieren Werke von über 80 Künstlerinnen und Künstlern. Dabei verknüpft das Projekt national relevante und international gesetzte Positionen mit einer Spurensuche entlang der Moderne in Brandenburg, der Lausitz und Polen.

In Frankfurt (Oder) fokussiert die Ausstellung „Neue Städte – Neue Menschen“ sich auf das Verhältnis ästhetischer und inhaltlicher Konzepte neuen Bauens der 1920er-Jahre zu musikalischen und rhythmischen Prinzipien. Dabei werden konkrete Bezüge zu Architekturen dieser vergleichsweise „Unbekannten Moderne“ in Frankfurt (Oder) hergestellt.

Analog zur Präsentation in Cottbus zeigt sich erneut: Die gesellschaftliche Komponente des Alltags rückte ins Zentrum theoretischer und praktischer Überlegungen und Utopien. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Frage, auf welche Weise sich Zusammenhänge zwischen Raum und Körper in Bild, Architektur und Stadt der 1920er- und 1930er-Jahre eingeschrieben haben. Vielfach dienten musikalische und rhythmische Grundsätze als Basis für Bild- und Architekturkonzeptionen.

Über unterschiedliche Kapitel verknüpft die Präsentation inhaltliche und zeitliche Ebenen. Sie spannt den Bogen von künstlerischen Bildwerken der 1920er- und 30er-Jahre über historische Stadt- und Architekturkonzepte bis zum Blick nachfolgender Künstler*innengenerationen, die sich seit den 1970er-Jahren und bis heute mit den gesellschaftlichen und ästhetischen Grundlagen und Bedeutungen der Moderne beschäftigen.

Komplementär zu „Neue Städte – Neue Menschen“ eröffnen eindrückliche Bilder des belgischen Grafikers, Zeichners und Malers Frans Masereel (1889–1972) einen Blick in den Moloch der modernen Großstadt der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Die Ausstellung „Die Stadt – Der gesamte grafische Zyklus des Jahres 1925“ präsentiert die vollständige Serie der 100 Holzschnitte als Originaldrucke. Das Spektrum der Erzählung zeugt von parallel existierenden gesellschaftlichen und politischen Alltagsrealitäten, die zwischen Glamour und Misere pendeln. Die in der Bildserie unbenannte Metropole der Moderne steht für symptomatische, urbane Lebensräume des frühen 20. Jahrhunderts.

Zu den mehr als 80 Künstler*innen gehören:
Christian Arnold, Gerd Arntz, Walter Ballhause, Hans Baluschek, Josef Bankay, Tina Bauer-Pezellen, Willi Baumeister, Johannes Beutner, Ella Bergmann-Michel, Henryk Berlewi, Richard Birnstengl, Irena Blühová, Gerd Böhme, Friedrich W. Bogler, Marianne Brandt, Gottfried Brockmann, Erich Buchholz, Edmund Collein, Werner Drewes, Franz Ehrlich, Fritz Eschen, Franz Esser, Lyonel Feiniger, Hans Finsler, Oskar Fischinger, Ladislav Foltyn, Kevin Fuchs, Jakob Ganslmeier, Lotte Gerson-Collein, Jerzy Grabowski, Kurt Günther, Hans Grundig, Lea Grundig, Andrea Grützner, Marta Hegemann, Albert Hennig, Anne Heinlein, Ludwig Hirschfeld-Mack, Heinrich Hoerle, Wilhelm Höpfner, Werner Hofmann, Margret Hoppe, Johannes Itten, Willy Jaeckl, Alexander Janetzko, Ida Kerkovius, Thomas Kläber, Adolf Köglsperger, Marek Lalko, Frans Masereel, László Moholy-Nagy, Gustav A. Müller, Richard Müller, Oskar Nerlinger, Otto Nagel, Henrik Neugeboren, Gyula Pap, Ludwig Rauch, Lotte Reiniger, Albert Renger- Patzsch, Hans Richter, Hajo Rose, Alexander Rodtschenko, Xanti Schawinsky, Hans Schmitz, Fritz Schulze, Eva Schulze-Knabe, Franz W. Seiwert, Ré Soupault, Henryk Stazewski, Esther Stocker, Wladyslaw Strzeminski, Waclaw Szpakowski, Kurt Teubner, Fritz Tröger, Karl Völker, Lars Wiedemann, Klaus Wittkugel.

UNBEKANNTE MODERNE
Ausgangspunkt für der Entwicklung des Projektes UNBEKANNTE MODERNE ist die Sammlung des BLMK, die den weltweit umfassendsten musealen Bestand von Kunst aus der DDR und Ostdeutschland beherbergt. Die gesellschaftspolitischen Analysen und ästhetischen Utopien dieser „Ostmoderne“ sind auch Fortschreibungen modernistischer Entwicklungen im Osten Deutschlands und Europas. Diese Spuren in Kunst, Architektur und Design – jenseits der großen Zentren der Moderne – sind jedoch zum großen Teil nur Eingeweihten bekannt oder gar noch unentdeckt.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Ré Soupault Restaurant La Coupole, Paris, 1936, Fotografie Nachlass © Ré Soupault/Manfred Metzner
26.10.2019 - 12.01.2020

Unbekannte Moderne

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Rathaushalle

Marktplatz 1
15230 Frankfurt (Oder)