»Holobiont« setzt sich aus griechischen Wörtern zusammen, »hólos« – alles, gesamt, »bios« – Leben und »óntos« – Seiendes, Wesen. Es wird »Gesamtlebewesen« übersetzt. Man versteht darunter den Zusammenschluss mehrerer Organismen verschiedener Arten zu einem Superorganismus. Das Wort geht auf die US-Biologin Lynn Margulis zurück, die nachwies, dass komplexere Zellen, wie etwa auch menschliche ihren Ursprung in der Verschmelzung von einfacheren Organismen haben.

Sutela verfolgt in ihrem Video »Holobiont« die Idee einer möglichen Einheit vieler Arten, in einer alle untrennbar verknüpfenden Ökologie und Evolution auf planetarischer wie kosmischer Ebene. Ihre Odyssee beginnt im Darm und zoomt bis in den Weltraum.

Dazu traf sie Wissenschaftler*innen, die sich mit extremophilen Bakterien beschäftigen. Diese Organismen können in lebensfeindlichen Bedingungen überleben und möglicherweise Leben auf andere Sterne bringen. Bei der ESA hat Sutela deren Versuchsreihen zum Natto-Bakterium Bacillus subtilis gefilmt.

Sutelas Science-Fiction greift die derzeitigen Diskussionen um sogenannte Interspezies-Symbiosen auf und spekuliert über zukünftige Mutationen und Weiterentwicklungen des Lebens.

Jenna Sutela arbeitet mit Worten, Klang und anderen lebendigen Stoffen. Ihre Installationen und Performances zielen darauf ab, prekäre soziale und materielle Momente zu identifizieren und auf sie zu reagieren. Dabei steht oft die technologische Dimension im Zentrum. Sie lebt in Berlin und Helsinki. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Kiasma Museum of Contemporary Art, Helsinki, im Guggenheim Museum Bilbao und im Museum of Contemporary Art Tokyo gezeigt. Derzeit ist sie Visiting Artist am MIT Center for Art, Science & Technology (CAST).

Jenna Sutela, Holobiont 2018, Videostill © Jenna Sutela
03.09. - 29.09.2019

Onische Gefühle 08: Jenna Sutela »Holobiont«

Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Friedensplatz 1
64283 Darmstadt