Neringa Cerniauskait? und Ugnius Gelguda arbeiten seit 2014 als KünstlerInnen-Kollektiv PAKUI HARDWARE, eine Namensabfolge, die sowohl mythologische als auch technische Vorstellungen referenziert und diese miteinander in Verbindung bringt. Gelegentlich eines Besuchs des MdbK zeigte sich das Künstlerduo fasziniert von den großzügigen Volumina des Bauwerks und der faszinierenden Lichtsituation, vor allem auf den Terrassen. Auf Einladung des Museums entwarfen sie für eine der Terrassen Underbelly, ihre bislang größte Installation, die sich mit den Organen des Unterbauchs auseinandersetzt. In acht von der Decke abgehängten Wachstumskammern befinden sich in Nährstofflösungen liegende gläserne Organprothesen und Silikonarterien, die entwicklungsbiologische Wachstums-prozesse suggerieren.

Science Fiction-Filme haben uns schon längst mit der Welt der Züchtung von Organen und komplexen Organismen vertraut gemacht. Erst vor wenigen Wochen hat Japan als erstes Land der Welt Chimären-Experimente für Organzucht zugelassen. PAKUI HARDWARE beschreiben ihre Arbeiten als „Hybride aus Künstlichem und Natürlichem, aus dem von Menschen Geschaffenen und dem Gegebenen“ und sehen in der synthetischen Biologie die Möglichkeit Zukunftsszenarien zu ersinnen, in denen der Mensch unabhängig vom Organischen, ja letztlich auch unabhängig von seinem eigenen Körper ist. Im Verein mit dem transluziden fleischfarbenen Netz erzeugen die es durchdringenden Brutkästen eine hybride Anmutung, die zwischen einem gepflegten Kunstgarten und einem Laboratorium schwankt. Wie schon im ausgehenden 15. und frühen 16. Jahrhundert rücken die Naturwissenschaften und die zeitgenössische Kunst wieder enger zusammen. Kunstwerke, die sich auf Prozesse der Biotechnologie und synthetischen Biologie beziehen, werden so zu Metaphern der Gegenwart für die Zukunft und Vergangenheit.