Simon Schubert arbeitet seit längerem an einem immer weiterwachsenden, fiktiven Gebäude. Mit jeder Ausstellung wuchert dieser Architekturkomplex und entfaltet sich monadenartig: aus dem zweidimensionalen Papier über die Illusion von Dreidimensionalität bis in den tatsächlichen Raum. So ist jedes der Bilder von Simon Schubert (geboren 1976 in Köln, lebt in und arbeitet in Köln), jede seiner virtuos gefertigten Papierfaltungen, jede seiner Grafit-Zeichnungen als ein Blick in diesen Bau zu sehen, und jede von ihm eingerichtete Rauminstallation ist ein tatsächlich begehbarer Teil dieses Gebäudes.

Licht und Schatten bringen an den reliefartigen Faltzeichnungen erst das jeweilige Bild zum Vorschein. Im richtigen Licht erschließen die gefalteten Oberflächen die Tiefen einer imaginären Architektur, in die der Betrachter sich begibt. Im Zwielicht lösen sich diese flüchtigen Bilder aber wieder auf. Während die lichten Raumsequenzen mit ihren (neo)barocken Vertäfelungen, Zierleisten, Fenster- und Türdurchblicken, verwinkelten Fluren und Treppen an die atmosphärischen Interieurs des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi erinnern, lassen Schuberts düstere Grafitzeichnungen und manche gesichtslose Skulptur an filmische Szenen von David Lynch denken.

Der Ausstellungsbesucher betritt in der Grafiketage von Museum Morsbroich eine Parallelwelt mit weißen Wänden aus gefaltetem Papier, mit doppelten Böden, perspektivisch verzerrten oder optisch erweiterten Räumen. In suggestiven Rauminszenierungen entfaltet sich eine faszinierende und zugleich unheimliche Welt. Einladend ragt der Türgriff eines für die Ausstellung entwickelten Hologramms in den Betrachterraum, im Boden scheint sich eine Art Kaninchenloch zu öffnen. Wie Alice im Wunderland begegnet der Besucher hier – ist er erst einmal eingetreten – rätselhaft surrealen Wesen, den teils gespenstisch wirkenden Bewohnern. Und er trifft auf den Künstler selbst, der alle Bestandteile seines Körpers feinsäuberlich getrennt und in einer Tischvitrine zum Selbstportrait (2015) arrangiert hat.

Die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entwickelte Schau ist Teil einer Ausstellungsreihe der Grafiketage von Museum Morsbroich, die das Medium der Zeichnung hinterfragt. Mit seiner speziellen Falttechnik und den davon ausgehend entwickelten zeichnerischen Environments erprobt Simon Schubert einen in den Raum erweiterten, eng mit Installation und Skulptur verbundenen Zeichnungsbegriff.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: museum-morsbroich.de

Simon Schubert Plan, 2019, C-Print, Maße variabel, Courtesy der Künstler; © Simon Schubert
12.10.2019 - 19.04.2020

Grafiketage: Simon Schubert - Schattenreich

Museum Morsbroich

Gustav-Heinemann-Str. 80
51377 Leverkusen