Zwei Mal zieht es Paul Klee (1879 – 1940) zu Studienzwecken nach Nordafrika, womit er sich in eine lange Tradition von Künstler*innenreisen in den vermeintlich fremdartigen Orient einreiht: Am Beginn seiner künstlerischen Karriere fuhr er nach Tunesien, als etablierter Künstler und Lehrer am Bauhaus nach Ägypten. Das Museum Berggruen widmet sich in einer konzentrierten Sonderpräsentation den in Zusammenhang mit Klees Nordafrikareisen entstandenen Werken aus der Sammlung der Nationalgalerie, ergänzt durch fünf großzügige Leihgaben aus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Die knapp zweiwöchige, in die Kunstgeschichte als „Tunisreise“ eingegangene Studienfahrt mit August Macke und Louis Moilliet im Jahr 1914 war für Klees Schaffen wegweisend: In über vierzig Aquarellen und Zeichnungen intensiviert er die Farbigkeit und löst seine Motive weitgehend von gegenständlichen Bezügen. Klee übersetzt Architektur und Landschaft in abstrahierte, rasterförmige Farbfelder wie bei dem Aquarell „Rote u. weisse Kuppeln“. Diese neue Bildsprache ist bereits in dem kurz vor der Reise entstandenen Aquarell „Erinnerung an einen Garten“ angelegt. Klee betonte selbst, dass erst die Tunisreise diese Farb- und Formentwicklung mit sich gebracht habe. In seinem nach der Reise überarbeiteten Tagebuch findet sich die berühmte Passage: „Es dringt so tiefund mild in mich hinein, ich fühle das und werde so sicher, ohne Fleiss. Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“ Auch in den folgenden Jahren greift er immer wieder auf die im mediterranen Klima perfektionierten bildnerischen Ansätze zurück, auch bei der Darstellung von mitteleuropäischer Natur.

1928/29 reist Klee nach Ägypten. Während er in seinen Briefen und Postkarten Enttäuschung über die dort vorgefundene Architektur und Lebensbedingungen äußert, begeisterte ihn die Natur. Seine Eindrücke finden vor allem nach der Reise ihren Widerhall, wie im kurz nach der Rückkehr entstandenen Gemälde „Nekropolis“. Mit der Ägyptenreise wirddas von Klee selbst als „Cardinalprogression“ bezeichnete Prinzip in Verbindung gebracht: Die stark geometrisierten Formen seiner Streifenbilder, wie in „vermessene Felder“, werden auf die Aufteilung der Felder zurückgeführt, die Klee entlang des Nils gesehen hat.


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