Liebe, Leid, Verrat, Macht – die antiken Mythen erzählen von den menschlichen Grundthemen und haben auch heute nichts an Aktualität verloren. Ob in der Psychoanalyse, Literatur, in Filmen oder aktuellen Serienproduktionen: Die Geschichten der ruhmvoll-tragischen Helden und der mächtigen Götter ziehen die Menschen nach wie vor in ihren Bann.

Vom 9. November 2019 bis zum 2. Februar 2020 entdeckt auch das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg die antiken Götter und Helden neu und rückt erstmals seinen Bestand anbarocken Gemälden ins Zentrum einer Sonderausstellung. Im Fokus der Schau „Götter & Helden –Mythologische Malerei im Barock und heute, feat. Michael Ramsauer“ stehen barocke Meisterwerke,die sich mit dem antiken Mythenstoff auseinandersetzen. Die Alten Meister werden gemeinsam mit Arbeiten des zeitgenössischen Künstlers Michael Ramsauer präsentiert, der die antiken Geschichten immer wieder zum zentralen Thema seiner Gemälde macht. Barock und Gegenwartskunst treffen inder Ausstellung „Götter & Helden“ aufeinander, treten in einen Dialog und zeigen, welche Relevanzbarocke Kunst und die antiken Mythen heute noch haben.

„Götter & Helden“ ist in sieben Ausstellungskapitel mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten unterteilt: Macht, Historie und Politik; Schicksal; Götter und Helden; Der gefesselte Prometheus; Liebe und Begehren; Rache und Tod und Druckgrafik. Jeder Teil der Schau nähert sich den mythologischen Bildsujets unter einem neuen Blickwinkel. So entfaltet sich ein facettenreiches Panorama der Antike, das die Besucherinnen und Besucher einlädt, den Geschichten mit neuem Blick zu begegnen. Eindrucksvoll und in virtuoser Intensität erwachen die alten Sagen dabei zum Leben. Die barocke Bildsprache versteht es, in ihrem Pathos, ihrem Illusionismus und ihrem effektvollen Spiel mit Licht, Schatten und Bewegung unmittelbar Emotionen bei den Betrachtenden auszulösen und so individuelle Anknüpfungspunkte zu schaffen.

Ausgangspunkt der Schau bildet der Bereich Macht, Historie und Politik. Hier wird deutlich, wie fließend historisch belegbare Tatsachen in Mythenbildung übergingen, etwa bei der Darstellung der Amazonen oder der Kleopatra. Zugleich nutzten viele Auftraggeber mythologische oder
historische Personen als allegorische Folie für die eigene mediale Inszenierung.

Die alles bestimmende Kraft der Sagen und Mythen ist das unvermeidliche Schicksal, dem Menschen wie Götter gleichermaßen ausgesetzt sind. Der zweite Teil der Schau widmet sich daher Darstellungen von Göttern und Helden, die verzweifelt versuchen, ihrem Schicksal zu entkommen – um am Ende doch zu ihrer Bestimmung zu finden.

Der Ausstellungskomplex Götter und Helden beleuchtet, welche gesellschaftliche Funktionen mythologische Sujets erfüllen konnten, etwa als Tugendexempel, als Ausgangspunkt für religiöse Fragestellungen oder als Ablenkung von Herausforderungen der Gegenwart. Dabei bot die mythologische Malerei den barocken Malern die Möglichkeit, das Publikum zu unterhalten und zugleich zu belehren.

Höhepunkt der Schau „Götter & Helden“ ist das Gemälde „Der gefesselte Prometheus“ aus derRubens-Werkstatt, das zurzeit umfangreich restauriert wird und nun erstmals in einem teilrestaurierten Zwischenzustand präsentiert wird. Das Werk gehörte bis 1919 zur Großherzoglichen Gemäldegalerie und ist zum ersten Mal seit 100 Jahren wieder in Oldenburg zu sehen. Nach dem Verkauf eines Teils der Sammlung durch den abgedankten Großherzog befindet es sich heute in Privatbesitz. Das großformatige Gemälde erzählt nicht nur von Prometheus, der den Göttern das Feuer stahl und dafür hart bestraft wurde. Zugleich bekommen die Besucherinnen und Besucher an einer Medienstation die Möglichkeit, mehr über die bewegte Geschichte des Bildes sowie zu restauratorischen Fragestellungen zu erfahren.

Das Kapitel Liebe und Begehren fasst die Verwandlungsmythen des Ovid sowie Darstellungen der Venus ins Auge, deren Inszenierung im Barock sowohl moralische Warnung als auch Projektionsfläche für eigene Wünsche und Begierden sein konnte. Häufig wurde dafür das Motiv der „erotischen Verfolgung“ oder der Voyeursszene gewählt, die hinsichtlich ihrer Frauenbilder und Geschlechterrollen aus heutiger Perspektive kritisch zu hinterfragen sind.

Wie die Liebe, so stellt auch der Tod ein Faszinosum für die Künstler dar. Im Fokus des Ausstellungs- kapitels Rache und Tod steht die antike Auffassung von Sterblichkeit.

Den Abschluss der fulminanten Schau im Augusteum bildet das Grafikkabinett, das die literarischen Quellen ins Zentrum rückt. Zur Ansicht kommen seltene Buchtitel mit prächtigen Kupferstichen und barocken Reproduktionsgrafiken, die sich durch neue und ungewöhnliche mythologische Motive deutlich von den Gemälden abgrenzen.

Insgesamt versammelt „Götter & Helden“ rund 30 Gemälde aus dem Bestand des Landesmuseums sowie Leihgaben anderer Museen. Gezeigt werden unter anderem Werke von Peter Paul Rubens, Bartholomäus Spranger, Jan Steen, Gerard de Lairesse oder Alessandro Varotari. Hinzu kommen Werke auf Papier und wertvolle Buchausgaben aus dem 18. Jahrhundert. Eigens für die Ausstellung fertigte Michael Ramsauer eine Reihe neuer, farbgewaltiger Arbeiten an, die nun erstmals zu sehen sind und die in einen visuellen und inhaltlichen Austausch mit den Alten Meistern treten.

„Somit wird deutlich, dass uns die Alten Meister auch heute noch etwas zu sagen haben und dass die Mythen der Antike nach wie vor lebendig sind – sei es in Kinofilmen, Fernsehserien oder eben in derbildenden Kunst“, so Kuratorin Dr. Anna Heinze.
„Erstmals feiert das Landesmuseum Oldenburg mit dieser Ausstellung seinen herausragenden Bestand an barocken Meisterwerken“, ergänzt Dr. Rainer Stamm, Direktor des Museums: „Es istzudem ein berührender Glücksfall, dass erstmals seit hundert Jahren eines der Hauptwerke derverlorenen Sammlung wieder zu Gast im Augusteum ist!“

Begleitet wird die Schau von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm aus Lesungen, Konzerten, Filmen, Diskussionsrunden und weiteren Veranstaltungen.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der für 24,95 Euro an den Museumskassen erhältlich ist.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Landessparkasse zu Oldenburg, die Stiftung Niedersachsen, die Kulturstiftung der Öffentlichen Oldenburg und die Oldenburgische Museumsgesellschaft.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: landesmuseum-ol.de

Ausstellungsansicht „Götter & Helden“, 2019, Rubens-Werkstatt, Der gefesselte Prometheus, um 1613, Foto Sven Adelaide, Landesmuseum Oldenburg
09.11.2019 - 02.02.2020

Götter & Helden – Mythologische Malerei im Barock und heute, feat. Michael Ramsauer

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg - Augusteum

Elisabethstr. 1
26135 Oldenburg