„Den Krieg versuchte ich zu malen, symbolhaft, die endlosen dunklen Nächte (kaltes Blau), durchglüht vom roten Feuer, zerrissen von aufflammenden Horizonten“, erinnerte sich der Künstler Fritz Fuhrken an seine Schreckenserfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg, die er eindrücklich in seinen Bildern verarbeitete.

Den 125. Geburtstag Fuhrkens nimmt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg zum Anlass, ausgewählte Werke vom 10. August bis zum 1. Dezember 2019 in einer Kabinettschau im Prinzenpalais zu präsentieren. 25 Arbeiten aus den Beständen des Museums und Leihgaben aus Familienbesitz dokumentieren das Leben und Schaffen eines außergewöhnlichen Künstlers, der lange in Vergessenheit geraten war. Zentraler Bestandteil der Schau sind Aquarelle, die zwischen 1918 und 1923 entstanden und die geprägt sind von intensiver Farbkraft und den traumatischen Kriegserlebnissen. Zur Ausstellung kommen außerdem Lithographien, Tuschezeichnungen sowie Skizzenbücher.

Fritz Fuhrken wurde am 31. Juli 1894 in Oldenburg-Nadorst geboren. Im Gegensatz zu den Malern Franz Radziwill, Fritz Stuckenberg, Jan Oeltjen und Georg von der Vring gehört Fritz Fuhrken zu den weniger bekannten Künstlern des Oldenburger Landes. Der Ausbruch an Gewalt und der Schock des Ersten Weltkriegs, den er auf den Schlachtfeldern in Galizien und an der Somme erlebte, veranlassten ihn zu einem Bildfuror, der das Grauen in zersplitterten Bildvisionen bannte. Neben expressiven Landschaftsdarstellungen entstanden um 1919/20 einige farbstarke ungegenständliche Aquarelle im Stil eines dynamischen Kubofuturismus, die zu den bedeutendsten Arbeiten des Künstlers gehören.

Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft besuchte Fuhrken, begleitend zu seiner Tätigkeit als Volksschullehrer, die Graphikklasse von Willy Menz an der Bremer Kunstgewerbeschule.

Gemeinsam mit Franz Bronstert, Georg Philipp Wörlen, Carry Hauser und Reinhard Hilkergründete er die Künstlergemeinschaft „Der Fels“, deren Werke 1923 erstmals imOldenburger Lappan ausgestellt wurden. Nach den Sujets aus dem Weltkrieg greift Fuhrken zu Beginn der 1920er Jahre vor allem literarische Motive wie Märchenillustrationen, biblischeSzenen und Illustrationen zu Dantes „Göttlicher Komödie“ auf.

Ab Mitte der 1920er Jahre wandte Fuhrken sich einer gemäßigteren Formensprache und einem gedämpften Kolorit zu. Die außergewöhnliche Strahlkraft seiner frühen Aquarelle findet sich nur noch in vereinzelten Blättern, wie beispielsweise in der Ansicht vom„Hardanger Fjord“, entstanden auf einer Norwegenreise im Jahr 1935.

1939 wurde Fuhrken erneut zum Kriegsdienst eingezogen und erlebte unter anderem die Schlacht um Stalingrad. Desillusioniert von dem neuerlichen Krieg notiert er in einem Briefvom Juli 1943: „Verblendung schlechthin“. Wenige Tage später nimmt Fuhrken sich dasLeben.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: landesmuseum-ol.de

Fritz Fuhrken, Gefangenenlager („All Well“), 1918, Privatbesitz © Fritz Fuhrken
10.08. - 01.12.2019

Fritz Fuhrken: Zum 125. Geburtstag

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg - Prinzenpalais

Damm 1
26135 Oldenburg