Zum Saisonauftakt präsentiert die Stadtgalerie in diesem Herbst zwei Einzelausstellungen. 
Mit Parastou Forouhar(*1962) eine iranische Künstlerin, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt und mit Nadja Verena Marcin (*1982) eine deutsche Künstlerin, die in den USA zu Hause ist. In ihren Werken begegnen wir zwei verschiedenen Welten – medial, inhaltlich sowie ästhetisch. Und doch treffen wir auf ein entscheidendes verbindendes Element: den kritischen Blick auf politische Strukturen in patriarchalen und autokratischen Gesellschaften, die Mensch und Natur in Gefahr bringen oder sie zumindest ohnmächtig zurücklassen.

Das Werk von Parastou Forouhar reflektiert die Begegnung von Orient und Okzident, von Krisengebiet und Komfortzone, von Zwangsordnung und kultureller Freiheit. Die 1962 in Teheran geborene Künstlerin absolvierte ihre Ausbildung zunächst im Iran und setzte sie in Deutschland fort, wo sie heute lebt und arbeitet. Dabei entwickelte sie ein Werk, in dem sich die Schönheit der Ornamentik mit systemkritischen Inhalten verbindet, die ihre persönlichen Erfahrungen unter der Gewaltherrschaft des Mullah-Regimes spiegeln und zugleich einen allgemeingültigen Anspruch erheben. Dabei geht Parastou Forouhars künstlerische Analyse auf ganz konkrete Erfahrungen mit diesem System zurück. Es ist das lebenslange politische Engagement ihrer Eltern Parvaneh und Dariush Forouhar, die als Oppositionelle ins Visier der Staatsmacht gerieten und 1998 vom iranischen Geheimdienst ermordet wurden. Dieser heimtückische Mord, der in einer ganzen Reihe von Verbrechen an iranischen Dissidenten steht und bis heute nicht aufgeklärt wurde, ist ebenso Antrieb ihrer künstlerischen Arbeit wie die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung im Iran unter den Gesetzen eines totalitären Regimes.So erscheinen Mord und Folter in Forouhars digitalen Zeichnungen und Wandinstallationen als wiederkehrende Motive.Mit dieser in einem europäischen, weltoffenen Zusammenhang entwickelten Bildwelt besetzt sie Wände und ganze Räume, die uns gleichsam körperlich gefangen nehmen. Dabei mutet sie uns zu, dass wir die Komfortzone der distanzierten Betrachtung verlassen, um in eine Welt einzutauchen, deren Grausamkeit gerade in der Ästhetik und Ordnung des Ornaments verborgen liegt. 

Nadja Verena Marcin präsentiert mit OPHELIA eine interdisziplinäre Performance, die am Eröffnungsabend als Live-Aktion und anschließend als Video-Installation zu sehen sein wird. Inspiriert wurde sie durch das gleichnamige Gemälde des britischen Malers Sir John Everett Millais (1829 – 1896), auf dem die tragische Figur der Ophelia aus Shakespeares Drama Hamletals sterbende Schönheit dargestellt ist. Durch Trauer und unerwiderte Liebe in den Wahnsinn getrieben, übt diese Frauenfigur seit jeher eine starke Anziehungskraft auf Künstler, Theoretiker und Schriftsteller aus und wurde vielfach in unterschiedlichen Kontexten thematisiert. Die Künstlerin fasst den Inhalt ihres Werkes wie folgt zusammen: „Ophelia verkörpert das menschliche Gefangensein in der Subjektivität, die Fragilität und Isoliertheit. Die Bedrohung im 21. Jahrhundert liegt u. a. in der Zerstörung der Natur – und in den katastrophalen Konsequenzen, mit denen wir zu kämpfen haben werden. Die Verletzlichkeit des isolierten Individuums innerhalb der Gesellschaft wird ebenso thematisiert wie die Verletzlichkeit des gesellschaftspolitischen Überbaus, der durch Umweltverschmutzung und Zerstörung von einer kraftvollen Antwort der Natur bedroht ist. Ophelia ist für mich Inbegriff dieses Gegensatzes.“

Darüber hinaus präsentiert Marcins Ausstellung Foto- und Videoarbeiten, in denen die Künstlerin erneut als Performerin auftritt, um selbstbewusst und mit feministisch aufgeladenem Humor die Frauenbilder des Hollywoodkinos zu dekonstruieren.


Version française: 

Parastou Forouhar - Deadlines

Différents univers artistiques et politiques se rencontrent dans les œuvres de Parastou Forouhar. Ses dessins numériques mêlent l’ornementation persane aux contenus critiques du système qui détermine encore la vie quotidienne en Iran de nos jours: répression et discrimination, dénonciation et surveillance, torture et violence. En parallèle, ses travaux photographiques les plus récents ouvrent le débat sur le tchador en tant que vêtement traditionnel des femmes musulmanes.

Nadja Verena Marcin – OPHELIA

OPHELIA est une performance pluridisciplinaire qui sera présentée à la Stadtgalerie de Sarrebruck, d’abord sous la forme d’une performance en direct et ensuite sous la forme d’une installation vidéo. Elle reflète la destruction de la nature par l’Homme tout en faisant référence à l’art, à la littérature et à la science.

27.09.2019 - 16.02.2020

Parastou Forouhar| Deadlines und Nadja Verena Marcin | Ophelia

Stadtgalerie Saarbrücken

St. Johanner Markt 24
66111 Saarbrücken