Emy Roeder (1890–1971) war eine der profiliertesten Bildhauerinnen ihrer Generation. In bemerkenswerter Konsequenz entwickelte sie ihre eigene figürliche Bildsprache, die vom Naturvorbild ausgehend zu einer immer stärkeren Stilisierung bis in die Abstraktion führte. Mit modernen Mitteln bearbeitete sie klassische Themen und betonte dabei eine weibliche Perspektive: Weibliche Aktfiguren, Darstellungen von Müttern und Kindern, Freundinnengruppen, Porträts und Tierskulpturen gehörten zu ihren bevorzugten Motiven. 

Als Mitglied der Freien Secession und Mitbegründerin der avantgardistisch-revolutionären Novembergruppe fand die in Würzburg geborene Künstlerin im Berlin der Weimarer Republik schnell Anschluss an die dortige Kunstszene und bis in die 1930er-Jahre gute Ausstellungsmöglichkeiten. 1937 war ihre Skulptur „Schwangere“ Teil der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“. Angesichts dieser Entwicklungen verlängerte Roeder ihren 1936 im Rahmen eines Stipendiums an der Villa Romana begonnenen Aufenthalt in Italien immer wieder und verlebte den Zweiten Weltkrieg im italienischen Exil.

Schon 1955 wurde eine Holzfassung der Schwangeren auf der ersten documenta gezeigt, dies war der Beginn einer zweiten Karriere Roeders. Besonders ihre Porträtplastiken der inzwischen berühmten Künstlerfreunde Karl Schmidt-Rottluff, Hans Purrmann und Erich Heckel stießen auf große Resonanz. Ende der 1950er-Jahre reiste Roeder erstmals nach Nordafrika. Noch stärker als zuvor stilisierte sie das Naturvorbild und fand zu einer zeichenhaften Bildsprache mit verschlankten Proportionen der dargestellten Körper, was zu einem strengen, fast asketischen späten Stil ihrer Arbeit führte.

Unbeirrt blieb Emy Roeder in ihrem Werk der gegenständlichen Darstellungsweise treu, auch als die ideologisch hart geführte Debatte um die Abstraktion die deutsche Kunstlandschaft beherrschte. Durch Stilisierung verfolgte sie ein Ideal, das auch die Abstrakten umtrieb: dem „Wesen“ von Mensch und Tier, ja, dem Leben schlechthin, auf die Spur zu kommen. Im Ringen um den Ausdruck von Ruhe und Kraft und die Darstellung von Nähe und Verbundenheit fand Roeder überzeitliche Formulierungen für das „Kosmische allen Seins“.

Die Ausstellung wurde von Dr. Henrike Holsing für das Museum im Kulturspeicher, Würzburg, kuratiert, wo der Nachlass der Künstlerin bewahrt wird. Sie wird nun, nach einer weiteren vorangegangen Station am Landesmuseum in Mainz, für das Georg Kolbe Museum adaptiert.