Die TITANIC feiert ihren 40. Geburtstag — gemeinsam mit den Ikonen ihrer Titelbilder! Ob Birne, Genschman, Schweinebraten, Pinkelpapst oder Zonen-Gaby: Die Frontseiten der letzten vier Jahrzehnte verkörpern den Anspruch des Magazins, „endgültige Satire” zu betreiben. Mit allen komischen Mitteln, von Nonsens bis Krawall, wurden und werden die Grenzen des Belachbaren, des guten und schlechten Geschmacks sowie jeglicher herrschender Gesinnung getestet — häufig mit lustigen, zuweilen aber auch mit erschreckenden Ergebnissen.

Die TITANIC-Redaktion, 1979 von den Herren der Neuen Frankfurter Schule als selbstbestimmter Publikationsort gegründet, ist bis heute die freieste des Landes geblieben. Ohne Einfluss von Verlegern, Politikern oder Werbekunden kann sie Monat für Monat entscheiden, wie sie diese Freiheit ge- oder missbraucht, kann festlegen, wo Satire aufhört und der Spaß anfängt. Dies sorgt dafür, dass sie auch nach 40 Jahren noch existiert und interes- siert — trotz der mächtigen Konkurrenz in Presse, TV und Internet, die sich zu großen Teilen letztlich dem Einfluss der TITANIC auf deutsche Komikschaffende verdankt. Kein Otto Waalkes, kein Harald Schmidt, keine Heute-Show, kein Jan Böhmermann wären ohne TITANIC möglich gewesen (erwarten Sie dafür keine Entschuldigung!).

40 Jahre nach der Gründung der TITANIC und 30 Jahre nach dem Mauerfall — und somit der Geburt der legendären Zonen-Gaby — präsentiert das Caricatura Museumeine Auswahl der besten Titelbilder und ihrer Auswirkungen. Gezeigt werden die Skandale, wie der Buntstiftlutscher bei „Wetten, dass..?“, die Bestechung zur Vergabe der WM 2006, der falsche Russen-Skandal bei der „Bild”- Zeitung. Auch die verbotenen Seiten der verbotensten Zeitschrift Deutschlands können betrachtet werden — wenn man sich traut. Außerdem wird ein Blick in die Werkstatt der Redaktion geworfen, mit zahlreichen Originalwerken von F. K. Waechter, Hans Traxler, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, F. W. Bernstein, Hilke Raddatz,

Rudi Hurzlmeier, Franziska Becker, Wolfgang Herrndorf, Ernst Kahl, Michael Sowa, Greser & Lenz, Stephan Rürup und Leo Riegel, mit Originalrequisiten, Vorbildern und Titelmotiven zum Nachstellen.

Im Zentrum stehen dabei die Wiedervereinigung Deutschlands und ihre Folgen. Gemäß Chlodwig Poths Impressumsmotto „Die endgültige Teilung Deutschlands — das ist unser Auftrag” zeichnet die Ausstellung den Werdegang der Zonen-Gaby, die Renationalisierung des geeinten Landes und die verzweifelten Versuche der Redaktion, die Mauer wieder aufzubauen, nach. Anhand der TITANIC-Titel entsteht eine rabiate wie launige Gegengeschichte von vier deutschen Jahrzehnten, die manchmal präziser und prophetischer erscheint, als es selbst Spaßmachern lieb sein kann — wollten sie doch oft letztlich nicht mehr, als gegen die Welt- und Zeitläufte anzulachen, wie manches alberne oder absurde Cover verdeutlicht.

Die Ausstellung geht auch der Frage nach, was genau eigentlich so ein TITANIC-Titelbild ist. Es ist kein typisches Magazin-Cover, denn es verweist nur selten auf zuge- hörige Artikel im Heftinneren. Es ist weder reine Kunst noch echtes Werbeplakat. Zwar will es mit dem besten Witz oder der relevantesten Zuspitzung des Monats zum Kauf des Magazins anregen, hat aber im Zweifel noch gegen jede kaufmännische oder Marketing-Regel verstoßen, solange ein gehöriges Lachen und Krachen erzeugt werden kann. Im Grunde ist der Titel ein Schau- fenster, mal zu einer Galerie, mal zu einem Ramschladen. Jedes TITANIC-Titelbild ist somit eine Einladung in eine uneigentliche Welt komischer Renitenz.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch: 11:00 - 20:001Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: caricatura-museum.de

TITANIC TITEL 1979/11; Titanic taucht was © Titanic
03.10.2019 - 02.02.2020

40 JAHRE TITANIC — Die endgültige Titelausstellung

Caricatura Museum Frankfurt Museum für Komische Kunst

Weckmarkt 17
60311 Frankfurt am Main