Aus Anlass des 150-jährigen Jubiläums zeigt die Hamburger Kunsthalle mit UNFINISHED STORIES große Teile ihrer Sammlung internationaler Gegenwartskunst, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland zählt. Auf der gesamten Fläche des Sockelgeschosses der Galerie der Gegenwart (1.300 qm) sind Meisterwerke, selten Gesehenes und aktuelle Neuzugänge, sowie seit vielen Jahren erstmalig wieder freigelegte ortsspezifische Werke zu sehen. In über 20 Ausstellungsräumen und mehr als 150 Werken entfaltet sich beispielhaft die Geschichte der Kunst von den 1960ern bis in die 2000er Jahre, und macht die Gleichzeitigkeit des Ungleichen, das Nebeneinander und Überlappen unterschiedlicher Stile und Strömungen anschaulich. Dabei setzt UNFINISHED STORIES ganz besonders auf das Potential der Kunst, Erzählungen zu entwerfen, die uns fesseln, bereichern, berühren, irritieren, provozieren und zum Weiterentwickeln einladen.
 
UNFINISHED STORIES erzählt Geschichten im Plural. Im mehreren Erzählsträngen widmet sich die Ausstellung zentralen Themen der Kunst, die generationsüber-greifend immer wieder neu befragt werden: Da ist zum einen der Mensch, sein Verhältnis zu Geschlecht, Nation und Gesellschaft (A. R. Peck, Bernhard Heisig, Sigmar Polke, Andy Warhol), sowie die daraus resultierenden und auch kritisierten Selbst- und Fremdbilder (Maria Lassnig, Rebecca Horn, Annette Messager, Tom Wesselmann, Allen Jones). Es sind Familien- und Liebeskonstellationen sowie gene-rell zwischenmenschliche Beziehungen, die auf den Prüfstand gestellt werden (Paul McCarthy, Abramovi?/Ulay, Felix Gonzalez-Torres, Gerhard Richter). Auch das Ma-terial selbst gewinnt an Bedeutung. Prozesshaftigkeit, Transformation von Energie und Zeitlichkeit sind in diesem Zusammenhang wichtige Stichworte (Jannis Kounellis, Mario Merz, Andreas Slominski, Anna Oppermann). Ein weiterer Erzählstrang widmet sich innovativen Strategien seit den 1960er Jahren. Tradierte Konventionen werden infrage gestellt. Vor allem die Betrachter*innen rücken mehr in den Fokus: Ihnen kommt eine veränderte, aktive Rolle zu. Franz Erhard Walther, Arthur Köpcke und Felix Gonzalez-Torres nehmen daher eine zentrale Position ein und stehen stellvertretend für einen »offenen Werkbegriff«, der die Betrachter*innen in Komplizenschaft nimmt und sie als Vollendende der Kunst versteht