Gegen die große grafische Tradition Nürnbergs setzen Künstlerinnen und Künstler seit den 1970er-Jahren eine direkte alla-prima-Malerei, die zwischen naivem Ausdruck und Bad Painting changiert. Um das Gravitätszentrum der Künstlerkneipe „Gregor Samsa“ hat sich eine vitale und veritable Szene entwickelt, verbunden nicht nur durch künstlerische Freundschaft, sondern auch durch einen ähnlichen Zugriff auf die Welt: gegenständlich, humorvoll und unangepasst. Ihre Protagonisten sind Peter Angermann, Harri Schemm, Dan Reeder, Blalla W. Hallmann und Kevin Coyne, deren Werke überkommene malerische Gattungen wie das Selbstbildnis und das Landschaftsbild in poppigen Farben und häufig mit textlichen Kommentaren versehen neu interpretieren. Ihr dreidimensionales Pendant finden sie in der skurrilen Objektkunst von Reiner Zitta und Peter Hammer. Die Gruppenausstellung der Kunstvilla zeigt die „Nürnberger Schule“ erstmals in einem umfassenden Überblick.

Paris hat das „Deux Magots“ und München den „Alten Simpl“: Nürnbergs Künstlerkneipe heißt „Gregor Samsa“ und liegt in unmittelbarer Nähe des Stadtparks. Sie wurde zum zweiten Wohnzimmer für eine ganze Reihe von Kunstschaffenden. Die Künstler, die hier ihr Zuhause fanden und zeitweise auch in den Räumen über der Kneipe wohnten, konnten in ihren mageren Anfangsjahren ihre Zeche mit Kunst bezahlen. Im Vorteil waren dabei die bildenden Künstler, die der Malerei die Stange hielten. Die Wände der beiden Gasträume wurden nach und nach mit Ölbildern, Aquarellen und Zeichnungen gefüllt. Der engere Kreis nennt sich bis heute stolz „Gregorianer“.

Mit den Künstlergruppen der 1980er-Jahre wie den „Jungen Wilden“ und der „Mühlheimer Freiheit“ verbindet die „Gregorianer“ eine unangepasste, bohemienhafte Lebens- und Arbeitsweise: gegen den Kunstbetrieb, gegen das bürgerliche Establishment und gegen Normen überhaupt. Gemalt und zu Objekten zusammengestellt wird, was gefällt, mal dekorativ in der Nähe des Kitsches, mal radikal bis zur Hässlichkeit, im kleinen wie im großen Format. Gemeinschaftswerke festigen das Wir-Gefühl ebenso wie die feucht-fröhlichen Runden im „Gregor Samsa“, wo alles in den 1970er-Jahren seinen Anfang nahm.

Mit Werken von Peter Angermann, Toni Burghart, Kevin Coyne, Blalla W. Hallmann, Peter Hammer, Dan Reeder, Harri Schemm und Reiner Zitta

Parallel zur Ausstellung „Nürnberger Schule“ wird der Jubiläumsraum mit Werken von Franz Vornberger (1919 – 2008) eingerichtet, der 2019 seinen 100. Geburtstag hätte feiern können.