Alf Lechner erkundete mit seiner künstlerischen Arbeit den Werkstoff Stahl ebenso rational wie emotional. Es entstand eine eindrucksvolles grafisches und skulpturales Werk, mit starker Rationalität in der Planung und naturgewaltiger Emotionalität im Ausdruck.

Den Wunsch des Schaffens und seine starke Leidenschaft vereinte Lechner mit der Analyse von geometrischer Form und Stahl. „Kein Bildhauer hat jemals solche Entdeckungen am Würfel gemacht, keiner den Stahl mit so viel Genauigkeit erkannt.“ schrieb Manfred Schneckenburger, ehemaliger Direktor der Kunsthalle in Köln und Leiter der Documenta in Kassel 1995 über Alf Lechner.

In systematischen Serien erarbeitete sich Lechner sämtliche Varianten einer Form. In wissenschaftlich anmutenden Versuchsanordnungen erforschte er mathematische Grundformen wie Quadrat und Würfel, wechselte von der Skelett- Konstruktion zum massiven Volumen und wieder zur Linie, und beobachtete die Drehung eines schwarzen Quadrats auf einer weißen Fläche.

Gleichzeitig experimentierte er immer weiter mit Stahl, und intervenierte im industriellen Stahlfertigungsprozess, um an die Grenzen des Machbaren zu gehen: Er quetschte, schnitt, brannte, brach und ordnete neu.

In dieser Ausstellung werden retrospektiv acht verschiedene Werksgruppen aus der Zeit von 1968 bis 2016 gezeigt, und dem Besucher erstmals der kreative Prozess von Alf Lechner offengelegt. Mithilfe von Ideenskizzen, Konstruktionszeichnungen und freien Zeichnungen wird sein Weg von der Idee zum Modell, und bis zur ausgeführten Skulptur erlebbar.

Der Beginn seines skulpturalen Schaffens mit Stahl ist in der Ausstellung mit dem kraftvollen Aufbiegen und Quetschen von Vierkant-Profilen in den Jahren 1968/69 abgebildet, bevor er 1972/73 zu präzisen Vorzeichnungen und Abwicklungen der bekannten großen Skulpturen seiner Würfelskelett-Konstruktionen überging.

Das Obergeschoss steht mit Zeichnungen, Kollagen und Skulpturen im Zeichen des Quadrats und der Quadratteilung.

Der vordere Bereich ist den reduzierten Würfelskelett-Konstruktionen gewidmet. Diese Werke beschreiben mit einzelnen zusammenhängenden Linien die Seiten und Diagonalen in einem Würfel, und werden so zu überraschenden, eigenständigen Skulpturen. Ergänzt mit Fotos der ausgeführten Werke, welche im Skulpturenpark in Obereichstätt zu besichtigen sind, wird die gesamte Entwicklung einer Lechner- Skulptur nachvollziehbar.

In einem anderen Raum treten die sechs großformatigen Zeichnungen von 1989, „in Schreibrichtung”, in Dialog mit der “Flächenkonstruktion XXII“ von 1976, ein Werk aus der Serie von Glas- und Stahlskulpturen, in welcher eine Glasscheibe und ein Stahlrahmen-Quadrat sich gegenseitig stabilisieren, und geben einen Einblick in die Experimentierfreude und den Erkundungsdrang Lechners.

Im Erdgeschoss wird Lechners Auseinandersetzung mit dem Material Stahl dreidimensional erlebbar. Lechner war von flüssigem Stahl fasziniert. Glühender Stahl, der auch im Kern der Erde vermutet wird, wirkt als archaisches Element und kann starke Emotionen wecken. Der flüssige Zustand des Stahls wird mit der Rauminstallation „Bizarre Flächen“ für den Besucher sichtbar. Es ist die neue Fassung, die von 2006 bis 2016 in drei verschiedenen Versionen von Lechner entwickelt wurde, und erstmalig in dieser Form zu sehen ist. Sie stellt visuell - durch ihre abwechslungsreichen Oberflächenstrukturen - und formal - durch Ihre gebannte Feuerkraft - ein bedeutendes Spätwerk des 2017 verstorbenen Bildhauers dar.

Horizontal in Stahlrahmen geschweißt, wirken die Flächen wie ein Versuch, Emotionen im rationalen Rahmen zu bändigen. Doch an einigen Stellen brechen die Werke aus dem Rahmen aus. Diese aufregenden Brenn-Schnitt-Flächen laden zur Erkundung ein.

Ergänzend zur Ausstellung werden im Papierhaus des Skulpturenparks in Obereichstätt Lechners sogenannte “emotionale Zeichnungen” gezeigt. Sie entstanden unter anderem durch Abreibung oder in Bewegung gegen einen zurückweichenden Widerstand. Es sind abstrakte Zeichnungen, die an einen Funkenflug erinnern, und eindrucksvoll die Intensität und Leidenschaft des Künstlers transportieren.

Die Ausstellung emotional. rational. vermittelt, wie Alf Lechner starke Leidenschaft, Begeisterung und Experimentierfreudigkeit mit viel analytischer Fähigkeit und Planung so einsetzte, dass er massiven Stahl und geometrische Formen in einen beeindruckenden künstlerischen Einklang brachte.


Öffnungszeiten:
Donnerstag - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: lechner-museum.de

ALF LECHNER emotional. rational. 1. September - 29. Dezember 2019 Foto: Studio Hetzer
01.09. - 29.12.2019

Alf Lechner: emotional. rational.

Lechner Museum

Esplanade 9
85049 Ingolstadt