Am Sonntag, 7. Juli eröffnet das KUNSTWERK in Eberdingen-Nussdorf eine neue Ausstellung mit Arbeiten von australischen Ureinwohnern. Unter dem Titel „Am Anfang war das Land“ werden Werke aus zwei unterschiedlichen Regionen präsentiert. Gemälde aus den Wüstengebieten Zentralaustraliens, mit Acrylfarbe auf Leinwand getupft, treffen auf Rindenbilder und bemalte Holzobjekte aus Arnhemland im tropischen Norden des Kontinents.

Ausstellungen mit Aborigine-Kunst gehören bereits zum festen Repertoire der Hängungen im KUNSTWERK. Die Grundlage dafür bietet der eigene Sammlungsbestand. Er enthält ein umfassendes und europaweit bedeutendes Konvolut von Arbeiten, das von Alison und Peter W. Klein seit der Jahrtausendwende kontinuierlich aufgebaut worden ist. Daraus wird inzwischen alle vier Jahre eine Auswahl für die Präsentationen im eigenen Ausstellungshaus getroffen, wobei Neuerwerbungen stets in den Vordergrund rücken und die Konzepte der Hängungen prägen. 

Mit der Gegenüberstellung von Werken aus den trockenen Steppen und Wüsten im Innern sowie Arnhemland im „Top End“ Australiens zeichnet die neue Ausstellung ein kontrastreiches Bild. Gleichwohl steht ein gemeinsamer Inhalt im Zentrum der Arbeiten: Sie alle beruhen auf einer tiefen spirituellen Beziehung der Menschen zu ihrem Land. Den Mythologien der Aborigines zufolge entstand die Welt in einer unvordenklichen Zeit, in der schöpferische Wesen über den Kontinent wanderten und auf ihren Wegen das Land, die Menschen, Flora und Fauna sowie alle elementaren Erscheinungen entstehen ließen. Auf sie gehen auch bis heute gültige Regeln und gesellschaftliche Strukturen zurück. Markante Stätten in der Landschaft – wie Wasserlöcher in der Wüste oder besondere Felsformationen – künden bis heute von den Taten der Schöpferahnen und ihrer immerwährenden Kraft. Qua Geburt ist jede und jeder Aborigine mit einem spezifischen Ort und den dazu gehörenden Mythen verbunden. Zeremonien, welche die Kräfte der Ahnen erneuern und in denen das überlieferte Wissen durch Erzählungen, Lieder, Tänze und bildnerische Elemente weitervermittelt wird, dürfen jedoch nur von initiierten Persönlichkeiten ausgeführt werden und sind geheim. 

In den zeitgenössischen Werken bleiben die engen Bezüge zu den mythischen Stätten und Geschichten erhalten, doch geben die Aborigines nur Teile ihres Wissens und ihrer Tradition der Öffentlichkeit preis. Der Auftakt der Ausstellung im KUNSTWERK widmet sich der 1972 im zentralaustralischen Papunya entstandenen Malereibewegung, die mit modernen Mitteln, oft leuchtenden Acrylfarben auf Leinwand arbeitet und für das Verschleiern des Geheimen das für sie charakteristische „Dot Painting“ sowie optisch flirrende Muster entwickelt hat. Die Ausstellung vereint Werke von Protagonisten der „Papunya Tula Artists“. Mick Namarari Tjapaltjarri gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Künstlerkooperative, George Tjungurrayi ist bereits seit 1976 für sie tätig. In Farbigkeit und Struktur sehr subtil ausgeführte Gemälde stammen von Yukultji Napangati und Doreen Reid Nakamarra, die in der jüngeren Generation zu den erfolgreichsten Mitgliedern des Kunstzentrums gehören. 

Auf Ebene 2 mit Werken aus Arnhemland zeichnet die Ausstellung ein völlig anderes Bild. Zwischen Tafeln aus rotbrauner Baumrinde, die mit Naturfarben wie Ocker, Holzkohle, Kalk oder weißem Pfeifenton bemalt sind, gruppieren sich auf Sockeln stelenförmige Objekte. Die Materialien gehen aus der Landschaft der Region hervor, die mit ihren felsigen Gebieten, Wäldern, Flüssen sowie der Küste am Meer vom tropischen Klima des Nordens geprägt ist. In den Motiven der Malerei aus Westarnhemland – in Arbeiten von John Mawurndjul, seinen Brüdern Jimmy Njiminjuma und James Iyuna sowie von Peter Nabarlumbarl – tauchen fast naturalistisch abgebildete Wesen auf, figürlich dargestellte Ahnen in unterschiedlicher Gestalt, Totemtiere und Pflanzen, verbunden mit schimmernden Flächen aus feinen Schraffuren: das Rarrk, das für die Werke aus der Region charakteristisch ist. Im Osten Arnhemlands überwiegen dagegen abstrakte Gestaltungen auf der Basis traditioneller Clanmuster. Mehrere Arbeiten von Nonggirnga Marawili verweisen dabei auf individuelle Entwicklungen innerhalb der bildnerischen Tradition. Die Malerei in ihrer regional unterschiedlichen Ausprägung überzieht auch die Skulpturen, die als „Hollow Logs“ auf Bestattungszeremonien zurückgehen. Langgliedrige Yawkyawk- und Mokuy-Figuren sind dagegen plastische Abbilder von mythischen Geist- oder Seelenwesen. 

In wiederum starkem Kontrast präsentieren sich Gemälde auf Ebene 3. Mit ihnen richtet sich der Blick nochmals nach Zentralaustralien. In weiteren Regionen wurden ebenfalls Künstlerkooperativen ins Leben gerufen. So führen auch Aborigines aus den Sprachgruppen der Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Ngaanyatjarra die Malereibewegung in ihren angestammten Gebieten an den Territorialgrenzen von Süd- und Westaustralien weiter. Wie vor allem Gemälde von Yaritji Young, Imitjala Curley aus den APY Lands sowie Esther Giles aus den Ngaanyatjarra Lands zeigen, setzen sie dabei mit ihren kräftigen Farben und expressiven Malstilen deutlich andere Akzente. 


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Freitag und Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: sammlung-klein.de

Yaritji Young, Tjala tjukurrpa – Honey Ant Story, 2016, Acryl auf Leinen, 198 x 198 cm, Foto: Blitz + Pixel, ©Yaritji Young und Tjala Arts, Amata
07.07.2019 - 01.03.2020

Am Anfang war das Land. Kunst der Aborigines

KUNSTWERK – Sammlung Klein

Siemensstraße 40
71735 Eberdingen-Nussdorf