Auf der ganzen Welt sind und waren Menschen in Bewegung. Mit ihnen wandern auch Lebensstile, Sprachen, Musik, Kunst und Handwerk. Vieles, was für eine Kultur als „authentisch“ gilt, erweist sich auf den zweiten Blick als „Import“. Ausgehend von den eigenen Sammlungen greift das Weltkulturen Museum assoziativ Fragen auf, die zeigen, wie die verschiedenen Kulturen der Welt schon seit jeher im Austausch stehen: Ob historische Siedlungsbewegungen, Arbeitsmigration oder Globalisierung – Menschen und damit auch ihre unterschiedlichen Kulturen stehen in stetigem Austausch. Ist Migration wirklich nur Ursache von Problemen?

Eva Raabe, Leiterin des Weltkulturen Museums erläutert: „Kulturwandel ist ein bedeutendes Thema im Fach Ethnologie. Als ethnologisches Museum möchten wir vermitteln, dass menschliche Gesellschaften niemals statisch sind - Migration bedeutet nicht nur Flucht und Konflikt, sondern ist auch immer wieder ein Motor für neue Wege des Zusammenlebens und eine Quelle neuer Ideen.“

„Weltenbewegend“ greift das Thema Migration auf, möchte aber das Bild von der meist als problematisch angesehenen Flüchtlingsbewegung durchbrechen und aufzeigen, welche vielseitigen Erzählungen mit Migration als Bewegung verbunden sind. Die präsentierten Beispiele reichen von der austronesischen Migration in den Pazifik über die kulturelle Aneignung zunächst fremder Musikinstrumente in Indonesien, über die Verschmelzung und den Import religiöser Praktiken bis hin zur modernen Reisekultur. Für die Ausstellung werden Filme über die religiöse Präsenz von Migranten in Frankfurt in Kooperation mit dem Institut für Medienwissenschaften der FH Mainz produziert. Ergänzend zeigt das niederländisch-molukkische Künstlerkollektiv Teru in seinem Kooperationsprojekt Mahina, wie verschiedene Frauen der zweiten und dritten Generation ihre kulturelle Identität verhandeln. Aus der umfangreichen Ostindonesien-Sammlung des Museums wurden Objekte im Dialog mit den portraitierten Frauen ausgewählt, um deren individuelle Geschichten zu unterstreichen.

Die Ausstellung schafft eigene Räume für Fragen: Wie setzen sich Menschen, deren Familien vor zwei oder drei Generationen eingewandert sind aktuell mit vorherrschenden Stereotypen und Vorurteilen oder Rassismen ihnen gegenüber auseinander und welche identitätsstiftende Rolle spielen für sie die sozialen Medien?

Wie erfahren sie Zuschreibungen von „Deutschsein“ oder „Andersein“? Das Thema ‚Selbstverortung versus Fremdzuschreibung‘ rund um die oft diskutierte Frage ‚Woher kommst du?‘, wird daher von der Weltkulturen Vermittlung in den Fokus genommen.

Künstler*innen und Beteiligte:
Adams Bodomo, Behrouz Boochani und Arash Kamali Sarvestani, Künstlerkollektiv Teru, Shahram Entekhabi, Edzard Herlyn und Thomas Hoeren, Junges Schauspiel Frankfurt, Karinding Keos, Phyllis Kiehl, Ella Knorz, Mansuela, Gora Mbengue, Yasemin Niephaus, José Oliveira, Rajery und 3MA, Safransirup, Nazanin Sahamizadeh, Wiparat Sukatorn, Felix Schwarz, Takayuki Tamura, Teilnehmende am Workshop „stories that matter“, Daniel Traub mit Wu Yong Fu und Zeng Xian Fang, Cliff Whiting


Eröffnung: Mittwoch, 23. Oktober 2019, 19:00 Uhr


Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag -Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch: 11:00 - 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: weltkulturenmuseum.de

Dose für Tabak. Rumbia, Südostsulawesi, Indonesien. Gesammelt von Johannes Elbert. Sammlung Weltkulturen Museum. Foto Wolfgang Günzel, 2019.
24.10.2019 - 30.08.2020

Weltenbewegend. Migration macht Geschichten

Museum der Weltkulturen

Schaumainkai 29 - 37
60594 Frankfurt am Main