Die Kunsthalle zu Kiel zeigt in Kooperation mit dem Städel Museum die Ausstellung Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht. Der Überraschungserfolg in Frankfurt war im Anschluss in der Berlinischen Galerie zu sehen. Jetzt ist die Ausstellung über Lotte Laserstein (1898-1993), die als eine der wichtigen Wiederentdeckungen der letzten Jahre gilt, zu Gast in der Kunsthalle zu Kiel. Damit bietet die Kunsthalle zu Kiel erstmals im norddeutschen Raum und erst zum zweiten Mal außerhalb Berlins die Gelegenheit, das Werk der Malerin Lotte Laserstein entlang von über 40 internationalen Leihgaben – Gemälden und Grafiken sowie ergänzenden Archivalien - zu erleben. Die Ausstellungsstation in der Kunsthalle zu Kiel ist um bisher kaum öffentlich gezeigte Werke ergänzt. Als wichtigstes Werk der Künstlerin gilt das Gruppenbild Abend über Potsdam (1930), das ebenfalls in Kiel zu sehen sein wird.

Lotte Laserstein nahm ihr Studium der Malerei an der Akademie in Berlin 1921 auf. Damit gehört sie in Deutschland zur ersten Generation von weiblichen Studierenden. Früh entwickelt die Künstlerin einen sehr eigenen Stil: Laserstein führt in ihrem Werk verschiedene Auffassungen des Realismus seit dem 19. Jahrhundert zusammen und entwickelt daraus eine unverkennbare Bildauffassung. Motivisch wendet sie sich ganz den Menschen und dem Zeitgeschehen ihrer Gegenwart zu.

Lotte Lasersteins besonderes Interesse gilt den zeitgenössischen Geschlechterbildern und der Reflexion ihrer Position als Künstlerin. Mit ihrem eigenwilligen Stil fasst sie schnell als Künstlerin beruflich Fuß und erfährt große Aufmerksamkeit in Berlin.

Die Kunsthalle zu Kiel legt in der Ausstellung wie die vorangegangenen Stationen den Schwerpunkt auf die Berliner Zeit der 1920er und 1930er Jahre bis zur Emigration Lasersteins 1937 nach Schweden. Die Werke dieser für ihr Schaffen bedeutendsten Zeit zeigen Lotte Lasersteins künstlerische Eigenständigkeit und ihre selbstbewusste thematische Schwerpunktsetzung. Das Bild der ‚neuen Frau‘ ist dabei vonbesonderer Bedeutung. Vorgegebene Geschlechterrollen übernimmt Lotte Laserstein nicht: weder in ihrem Werk noch in ihrer Position als weibliche ausgebildete Künstlerin, noch im Umgang mit ihrem bevorzugten Modell Traute Rose.

Aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln verschlechtern sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Künstlerin im Nationalsozialismus. Ihre persönliche Situation findet auch Widerhall in ihren Werken. 1937 emigriert die Künstlerin schließlich nach Schweden. Einen Teil ihrer Werke kann Lotte Laserstein mitnehmen, darunter auch „Abend überPotsdam“. Die Künstlerin gibt dieses Bild im hohen Alter in eineAuktion ? wenige Jahre bevor sie 94-jährig stirbt.

Lasersteins unverwechselbares Werk der Berliner Jahre steht in einem Spannungsverhältnis zu den bestimmenden künstlerischen Strömungen dieser Zeit, den Avantgardebewegungen und der Neuen Sachlichkeit. Ihre Aufmerksamkeit gilt in dem ihr eigenen Realismus ganz der gesellschaftlichen Stimmung ihrer Zeit, dem sich verändernden Rollenverständnis der ‚Neuen Frau‘ sowie der angespannten gesellschaftlichen Lage im Klima von Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus.

Eine Ausstellung des Städel Museums, Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle zu Kiel.

Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm sowie einem Audioguide (dt./engl.) begleitet.

Eine Broschüre zur Ausstellung in Kiel und ein Katalog sind in der Kunsthalle erhältlich.