Das Museum Folkwang zeigt eine umfassende Schau über den US-amerikanischen Künstler Keith Haring (1958–1990). Unverwechselbar sind die tanzenden Männchen, bellenden Hunde und fliegenden Untertassen, mit denen Haring seine aktivistischen Botschaften für alle verständlich machte. Die Retrospektive wirft zum ersten Mal einen umfassenden Blick auf Haring und präsentiert ihn nicht nur als Künstler, sondern auch als Performer, Aktivist und Netzwerker.

Keith Harings Stil entspringt der Dynamik einer Zeit, die von Urbanität, Undergroundkultur, Raumfahrt, Robotik und Videospielen geprägt ist. Inspiration findet er u. a. in der zeitgenössischen Kunst, der chinesischen Kalligraphie und in den Graffitis der Straße. Die Ausstellung versammelt seine frühen Zeichnungen und Experimente mit Video und Performance sowie großformatige Gemälde auf Papier, Leinwand und Vinyl, darunter seine populärsten Bilderfindungen wie dasRadiant Baby und den Barking Dog.

Als Teil der New Yorker Künstler-, Club- und Schwulenszene baut sich Haring ein großes Netzwerk auf, welches er immer wieder für künstlerische und aktivistische Kooperationen nutzt. So arbeitet er mit Künstlern wie Jean-Michel Basquiat und Andy Warhol zusammen und kollaboriert mit Größen aus Musik und Mode wie Madonna, Grace Jones, Vivienne Westwood und Malcolm McLaren, für die er Designs und Bühnenbilder entwickelt. Kleidungsstücke aus der Witches-Collection von Westwood und McLaren, die Haring mitgestaltet, werden in der Schau ebenso gezeigt wie Videos mit Madonna oder dem Tänzer Bill T. Jones, an denen Haring mitwirkt.

Mit seinen Werken reagiert Haring auf drängende Themen seiner Zeit wie politische Diktaturen, Rassismus, Homophobie, Drogensucht, Aids, Kapitalismus und Umwelt. Seltenes, zum Teil noch nie gezeigtes Archivmaterial, Flugblätter, Manuskripte, Film- und Fotoaufnahmen veranschaulichen sein soziales und politisches Engagement und lassen den Geist jener Zeit wiederauferstehen. Darüber hinaus macht der Nachbau einer von Hip-Hop-Musik begleiteten Schwarzlicht-Installation von 1983 Harings Interesse an innovativen Präsentationsformen von Kunst erfahrbar.

Keith Haring stirbt im Jahr 1990 im Alter von nur 31 Jahren an den Folgeerkrankungen von AIDS. Zeit seines Lebens geht er offensiv mit seiner Homosexualität und seiner HIV-Infektion um und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung der Krankheit. Als Künstler verleiht er universellen Begriffen von Geburt, Tod, Liebe, Krieg und Anteilnahme unverwechselbaren Ausdruck und schafft ein Oeuvre, das heute so relevant ist wie zur Zeit seiner Entstehung.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit der Keith Haring Foundation, der Tate Liverpool sowie dem BOZAR, Centre for Fine Arts Brüssel, realisiert.