Mit O Peixe (Der Fisch / The Fish, 2016) stellt der Nassauische Kunstverein Wiesbaden die Arbeit des brasilianischen Künstlers Jonathas de Andrade erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung vor.

Der 37-minütige Film zeigt Fischer aus einem Dorf an der Nordostküste Brasiliens während der Durchführung eines archaisch anmutenden Rituals, bei dem sie den zuvor jeweils mit traditionellen Methoden gefangenen Fisch umarmen. Die liebevolle Geste, die den Übergang zum Tod begleitet, bezeugt die ganz ursprüngliche, aber zwiespältige Mensch-Tier-Beziehung, die einerseits von Macht, Gewalt und Überlegenheit durchdrungen, zugleich aber auch von Abhängigkeit, Wertschätzung und Naturverbundenheit der Fischer geprägt ist. So entsteht ein paradoxes Moment zwischen Respekt und Grausamkeit.

O Peixe wurde mit einer Gruppe von Fischern aus Piaçabuçu und Coruripe am Fluss São Francisco und am Meer in Brasiliens Nordosten gedreht und verhandelt neben dem Fischen und Jagen als traditionelle, ressourcenschonende Wirtschaftsform auch das männliche Stereotyp des Jägers, der kulturhistorisch betrachtet als „Ur-Mann“ seit dem Siegeszug der Amateurfotografie stolz seine Beute in die Kamera hält. Die Fischer sind in stoischer Geduld auf der Jagd zu sehen und erlegen ihre statussymbolgroße Beute mit hingebungsvoller Kraft und körperlicher Dominanz - mit freien Oberkörpern und den bloßen Händen. Der mit einem ironischen Zwinkern versehene nostalgische Blick wird durch die verwendeten technischen Mittel verstärkt. Aufgenommen auf 16-mm-Schmalfilmmaterial wurde der Film anschließend auf einen digitalen HD-Träger übertragen, wobei die dokumentarisch-ethnografisch-anachronistische Ästhetik erhalten blieb.

So wird das von Jonathas de Andrade erfundene Ritual der brasilianischen Fischer zu einer von der Zeit losgelösten Allegorie über Männlichkeit und den Umgang mit natürlichen Ressourcen.

O Peixe (Der Fisch / The Fish, 2016) von Jonathas de Andrade zeigt der Nassauische Kunstverein Wiesbaden im Rahmen des exground filmfests 32 mit dem diesjährigen Länderschwerpunkt Brasilien. 

Über den Künstler:
Jonathas de Andrade (*1982, Maceió, BR) arbeitet hauptsächlich mit Installationen, Videos und fotografischen Recherchen. Er schloss sein Studium der Sozialen Kommunikation 2007 an der Universidade Federal de Pernambuco in Recife (BR) ab, wo er heute lebt und arbeitet. Neben der Teilnahme an zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen nahm er 2009 an der 7. Mercosul Biennale in Brasilien, 2012 an der New Museum Triennale in New York und 2013 an der Lyon Biennale teil. 2011 war er als Finalist für den brasilianischen PIPA Prize nominiert. 2019 zeigte er seine Arbeiten in der Einzelausstellung One to One im Museum of Contemporary Art, Chicago. Im Herbst 2019 sind seine Arbeiten auf der Momenta Biennale de l’Image in Montréal und der Istanbul Biennale zu sehen.


Preview & SPRITZ Limette gelbgrün /
Donnerstag, 15. November 2019, 18 bis 20 Uhr

Eröffnung:
Donnerstag, 21. November 2019, ab 18 Uhr