Der Kunstverein Bielefeld zeigt vom 23.11.2019 bis 02.02.2020 mit der Gruppenausstellung Die Freiheit, die wir meinen mit die künstlerischen Positionen von Eva Barto (*1987, Nantes, Frankreich, lebt und arbeitet in Paris, Frankreich), Tyler Coburn (*1983 in New York, USA, lebt und arbeitet in New York, USA), Marie Cool Fabio Balducci (*1961 Valenciennes, Frankreich, und 1964 in Ostra, Italien, leben und arbeiten in Paris, Frankreich, und Pergola, Italien), Inga Danysz (*1990 in Warschau, Polen, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main) undAdriana Lara (*1978 in Mexiko City, Mexiko, lebt und arbeitet in Mexiko City, Mexiko). Die Ausstellung widmet sich der Figur der Freiheit und den Voraussetzungen unseres gegenwärtigen Freiheitsverständnisses.

Seit Beginn der Moderne ist die Idee des Ästhetischen mit dem libertären Ideal eines freien und glücklichen Lebens verknüpft. Sie basiert auf der Forderung nach Autonomie und Selbstbestimmung, die sich an der Kritik an den Lebensformen der frühen industriellen Gesellschaft im neuzehnten Jahrhundert entzündete. War der Einsatz für Freiheit und individuelle Selbstverwirklichung zunächst auf künstlerische und intellektuelle Kreise beschränkt, fand die Künstlerkritik mit den 1968er-Protestbewegungen gesellschaftliche Verbreitung. Heute steht die Kritik der Gesellschaft vor einer grundlegend veränderten Situation: »Ihr ist die Orientierung abhanden gekommen, als sich die libertären Ideale eines freien und glücklichen Lebens, die sich von der Romantik bis zu den Avantgarden stets am Bild des Ästhetischen orientierten, in ökonomische Imperative verwandelten.« (Christoph Menke) So geht die Forderung nach Freiheit, Autonomie und Kreativität mit dem Imperativ der Verwertung Hand in Hand. Selbstbestimmtes, kreatives Handeln ist zur Bedingung einer neuen Arbeits- und Lebensphilosophie und damit zur Grundlage eines Modells der Wertschöpfung geworden, das Kompetenz nach individuellen Eigenschaften und performativen Fähigkeiten bemisst. Wenn aber künstlerische Prozesse der Produktivität gesellschaftlicher Reproduktionsprozesse zum Vorbild dienen, dann stellt sich die Frage, ob das Ästhetische noch als kulturelle Gegenfigur ausgemacht werden kann. Wie steht es um Selbstverständnis der Künste, zur Partei der Kritik und der Emanzipation zu gehören? Unter welchen Voraussetzungen lässt sich die Idee des Ästhetischen aktualisieren? Und vor allem: Was bedeutet der veränderte Freiheitsbegriff für die gegenwärtige künstlerische Produktion? Von diesen Fragen geht das Ausstellungsprojekt aus, um aus unterschiedlichen Perspektiven aktuelleGesellschaftsstrukturen zu reflektieren und den Diskurs über die Bedingungen demokratischen Zusammenlebens zu beleuchten.