Bleeptrack alias Sabine Wieluch (*1992 Weißenhorn) hat an der Universität Ulm Medieninformatik studiert und sich durch ihr großes Interessenfeld ein breites Wissensspektrum angeeignet. Aktuell ist sie als Doktorandin in der Neuroinformatik tätig.

In ihrem künstlerischen Schaffen arbeitet sie mit besonderer Leidenschaft an interdisziplinären Projekten und der Generativen Kunst - einer jungen Kunstrichtung, die an der Fusion von Kunst und Code arbeitet und durch Computerprogramme realisiert wird. Mathematische Beschreibungen und Algorithmen dienen hier als Ausgangspunkt für interaktive Installationen. Nicht das Kunstwerk als Endprodukt, sondern die prozessuale Erfindung und der von der Künstlerin geschaffene Regelsatz, das Programm, der Binärcode als zu Grunde liegende Idee stehen hier im Vordergrund des Interesses. Was sich zunächst im digitalen Raum entfaltet, wird in Form eines relativ autonomen Prozesses und mit Hilfe einer selbst gebauten CNC-Maschine, eines Lasercutters oder einer Nähmaschine zum generativ erzeugten Objekten.

Bleeptrack lässt sich durch reale Objekte, besonders aus der Natur inspirieren. Besonders gern arbeitet sie mit Stiftplottern, jenen Vorgängern unserer heutigen Drucker, deren geplottete Werke die Haptik einer Handzeichnung mit der Präzision eines computergesteuerten Gerätes verbinden. Stiftplotter, die Vorgänger unserer heutigen Drucker, erleben in der generativen Kunstszene aktuell eine große Renaissance. Künstler sehen in diesen Maschinen, die einen Stift computergesteuert über ein Papier führen können eine faszinierende Möglichkeit, ihre generativen Kunstwerke zu Papier zu bringen. Ein fertiger Plot bringt eine eigene Ästhetik mit, wirkt hochwertiger und erscheint einzigartiger als ein herkömmlicher Druck. Viele Künstler experimentieren hier auch mit unterschiedlichen Arten von Stiften, Pinsel und Farbe. Oft werden Kunstwerke auf Twitter unter dem Hashtag #plottertwitter veröffentlicht.

BUGS & BEETLES ist das erste und bekanntestes Computerprogramm der Künstlerin bleeptrack. Es dient der generativen Herstellung von Käferbildern. Über 50 Parameter bestimmen das Aussehen der Tierchen, wie beispielsweise Farbe, Flügellänge oder Fühlerform. Durch diese Vielzahl an Änderungsmöglichkeiten ergeben sich Milliarden einzigartiger Varianten. Generative Kunst muss sich nicht nur im digitalen Raum ereignen. Es gibt viele Möglichkeiten wie generative Modelle in die reale Welt übertragen werden können. Die Exponate zeigen Beispiele für die Umsetzung als Stoffdruck, Stiftplot auf Papier und maschinengesteuerter Fräsung aus Holz.

Viele generative Künstler suchen regen Austausch in Communities, besonders online. In der Ausstellung werden exemplarisch zwei dieser Communities vorgestellt, in denen auch die Künstlerin Sabine Wieluch | bleeptrack sehr aktiv ist. Das Projekt Botwiki, initiiert von Stefan Bohacek, sammelt und präsentiert diverse interessante und kreative Bots. Bisher wurden über 1000 Bots katalogisiert. Dabei handelt es sich zumeist um Programme, die Bilder, Gedichte oder anderes erzeugen können und die Ergebnisse auf Social Media Plattformen wie Twitter oder Mastodon posten. RANDOM TWITTERBOTS blättert durch die Einträge von Botwiki und bringt die Vielfalt von Kunst-Bots zur Geltung.

Aus dem Projekt BUGS & BEETLES von bleeptrack entstand ebenfalls ein Twitterbot, der alle sechs Stunden einen neuen Käfer erzeugt, ihm einen Namen gibt und anschließend auf Twitter und Mastodon postet. Auf diese Weise wird dem generativen Kunstwerk eine gewisse Autonomie verliehen, da auch ohne das Zutun der Künstlerin neue Werke des generativen Modells erzeugt werden. Auch für den Betrachter ist es spannend generative Kunst über einen Bot zu konsumieren, da die erzeugten Bilder zwischen allen anderen Einträgen des Social Media Feeds erscheinen und so eine sehr ungezwungene und manchmal sogar überraschende Umgebung für ein Kunstwerk bieten.

Das generative Kunstwerk TOURITAFEL wurde ausschließlich als Mastodonbot umgesetzt, also als Programm, das selbstständig regelmäßig Posts auf Mastodon (ähnlich Twitter) verfasst und Bilder generiert, die an touristische Hinweistafeln angelehnt sind. Die vom touritafelbot entwickelten Schilder zeigen allerdings keine realen Sehenswürdigkeiten, sondern setzen sich aus einem zufällig gewählten Objekt und einer zufällig gewählten Stadt zusammen. Die Informationen hierzu werden aus der freien Wissensdatenbank WikiData gefiltert (ähnlich Wikipedia, aber maschinenlesbar). Zusätzlich wird ein möglichst passendes, frei nutzbares Bild aus der Datenbank The Noun Project abgerufen und in die Optik einer touristischen Unterrichtungstafel eingepasst. So entstehen oft sehr seltsame und amüsante Kombinationen.

Ehrenamtlich betreut Sabine Wieluch zudem im Ulmer Verschwörhaus den MAKER MONDAY, einen offenen Abend für Interessierte in den Bereichen Making, Lasercutter oder 3D-Druck. Alle Projekte werden regelmäßig in einer Videoreihe auf Youtube dokumentiert. Der Quellcode der generativen Kunstwerke ist open source, also für jeden einsehbar.

Obwohl ihr erstes generatives Kunstprojekt erst im Jahr 2018 entstanden ist, sind bleeptracksWerke bereits international ausgestellt worden, u.a. in Berlin, Mumbai, Shanghai und London.

Bleeptrack beetle and bugs, Courtesy by the artist
09.11.2019 - 23.02.2020

Förderpreis Junge Ulmer Kunst 2019 Bleeptrack: code/kunst

Museum Ulm

Marktplatz 9
89073 Ulm