Eine seiner wichtigsten Schaffensphasen in den 1920er Jahren ist untrennbar mit Ulm verbunden: Paul Kleinschmidt (1883–1949), Maler des wilden Berliner Großstadtlebens, der Varietés, Theater und Kaffeehäuser, fand zeitlebens hier Mäzene und Förderer. Zum 70. Todestag widmet das Museum Ulm diesem von den Nationalsozialisten als entartet diffamierten und ins Exils getriebenen Ausnahmekünstler eine Ausstellung, die einen Blick auf sein opulentes Werk wirft. Zu Gast im "Café Kleinschmidt" ist die Berliner Künstlerin Sonja Alhäuser (*1969). Ihre Kunst bietet Genuss nicht nur im übertragenen Sinne, sondern stimuliert ganz unmittelbar lustvoll die Geschmacksnerven.

Beispiellos ist die Ausschließlichkeit, mit der sich Paul Kleinschmidt zeitlebens dem Thema einer sinnenfreudigen Weiblichkeit verschrieben hat. Ebenso unvergleichlich ist die unerschrockene Direktheit, mit der er die pralle Üppigkeit der Realität erfasst und in seinen Gemälden ganz aus einer pastosen Farbmaterie heraus entwickelt. Malerisch orientierte sich Paul Kleinschmidt an den großen Vorbildern Adolph Menzel und Lovis Corinth. Farbe behandelte er mit der Virtuosität eines Konditors, der Torten verziert. Den üppigen Frauenleibern in seinen Bildern stellte er gern verlockend süßes Backwerk, erotische Accessoires, verführerische Büffets und Tortenschwelgereien zur Seite.

Sonja Alhäuser zeichnet, entwirft skulpturale Installation und veranstaltet Performances und Bankette, auf denen praktisch alles essbar ist und gegessen werden soll. Als bildhauerischen Werkstoff nutzt sie Margarine, Schokolade, Zucker, Marzipan und andere Genussmittel. Der ephemere Charakter in ihren Werken und Installationen weist nicht nur auf die Faszination der Vergänglichkeit alles Irdischen hin, sondern leistet auch einen Beitrag zur Diskussion über die Ethik des Genießens.