Die Welt der Kreaturen gehört zu den faszinierendsten Gebieten der visuellen Kultur Chinas. Die Darstellung von Natur, besonders aber auch der Tiere, ist schon seit rund 2.500 Jahren eine der wichtigsten Ausdrucksformen im Reich der Mitte. Aus der umfangreichen Asiatischen Sammlung im Museum Angewandte Kunst zeigt die Präsentation in seinem Ausstellungs- und Veranstaltungsforum MEET ASIAN ART ab dem 23. Oktober ausgewählte Beispiele aus unterschiedlichsten Materialien, die mehr als 2.000 Jahre chinesischer Kultur- und Geistesgeschichte widerspiegeln.

Die Darstellung von Tieren in der chinesischen Kunst und Kultur ist außerordentlich vielgestaltig und oft weit entfernt von einer romantischen Idee der stillen und erhabenen Natur. In der Präsentation VON DRACHEN, EINHÖRNERN UND MONDHASEN werden unterschiedliche Tierbilder vorgestellt. Dabei treten mythisch-fiktive Kreaturen häufiger auf als Abbilder der realen Tierwelt. Bereits zwischen dem 4. und 2. Jh. v. Chr. erscheint das auf älterer mündlicher Überlieferung basierende Buch Shanhaijing ???

(„Klassiker der Berge und Meere“), in dem in enzyklopädischer Aufstellung Hunderte vonSagentieren und kuriosen Wesen vorgestellt werden.

Das visuelle Erscheinungsbild von Tieren beginnt mit kaum erkennbaren Wesen, die neben vollkommen abstrakten Ornamentformen auf frühen Ritualbronzen erscheinen. Rund tausend Jahre später tritt eine neuartige, ganz und gar lebensnahe Darstellung von Pferden, Hunden, Schweinen und anderen den Menschen umgebenden Tieren an den Tag – und dies paradoxerweise in der Grabkeramik. Figuren dieser Art wurden den Verstorbenen mit ins Grab gegeben, um ihnen dort für die ihnen vertraute diesseitige Welt symbolisch zur Seite zu stehen.

Mehr noch als die reale Tierwelt beherrschen mythische Tierwesen in den späteren Jahrhunderten das visuelle Feld. Der Drache als Symbol für Kaiser und Fruchtbarkeit, die mildtätige und Kindersegen versprechende Kreatur Qilin, die wundertätige dreibeinige Kröte erscheinen ebenso wie z.B. Hirsch und Kranich als Reittiere der Unsterblichen. Als Glückssymbole prägen sie seit jeher den chinesischen Alltag.


Mit MEET ASIAN ART widmet das Museum Angewandte Kunst der Kunst Asiens seit 2016 einen dauerhaften Ort des Austausches, des Entdeckens, Verstehens und Diskutierens. Hier finden wechselnde Exponate aus der Sammlung asiatischer Kunst des Museums in Form kleiner Kabinettausstellungen einen Platz. Zugleich ist MEET ASIAN ART mehr als ein Ausstellungsraum: Als Forum für Veranstaltungen und Präsentationen bietet es immer wieder neue Einblicke in Asiens Beitrag zur Kunst der Welt.