Ein Mann steht auf der Eisfläche und schlägt ein Loch. Unbeirrt holt er immer wieder mit seiner Spitzhacke aus. Er hebt sich dunkel vom nebligen Horizont ab. Er wird sich - so ahnt man bald - ganz real selbst den Boden unter den Füßen wegziehen. Als Aktion nicht spektakulär, aber aberwitzig und gefährlich. Was sucht er? Was will er freilegen? Wohin vorstoßen?

Die Spannung zwischen dem Einsamen, seiner widersinnigen Handlung und der durch den fehlenden Horizont und leichten Nebel gespenstig unendlich erscheinenden Natur verbreitet enorme sinnliche Qualitäten. Diese Erhabenheit wird durch das menschliche Verhalten gestört. Zwar arbeitet er nicht gegen die Natur, aber er betreibt konzentriert den eigenen Untergang. Wir als Betrachter werden Zeugen eines vorsätzlichen Verschwindens. Das Loch im Eis wird am Ende auch eine Art Fenster hinaus aus dem Bildraum, aus dem Video. Ins schwarze Nichts.

Das österreichische Künstlerduo Nicole Six und Paul Petritsch erkundet und durchmisst seine Umwelt anhand sehr konkreter Experimente. Die teilweise ins Absurde kippenden Versuchsanordnungen führten über die Jahre zu einem Archiv poetischer Parabeln der Ausgesetztheit des Menschen im Raum. Immer wieder stellen sie die uns vertraute Sicherheit unseres Alltags auf die Probe und testen Grenzen, auch die des eigenen Körpers, aus.

Nicole Six & Paul Petritsch Raeumliche Massnahme 1 2002© VG Bild-Kunst Bonn 2019
01.11. - 01.12.2019

Video des Monats. Ozeanische Gefühle 10: Nicole Six & Paul Petritsch. Räumliche Maßnahme

Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Friedensplatz 1
64283 Darmstadt