Berlin ist gezeichnet von seiner Geschichte, von Erfolgen und Niederlagen, von Feudalismus, Pragmatismus, Liberalismus, Demokratien und Diktaturen. Aber auch gezeichnet und gemalt von vielen Künstler*innen. Die Berlinische Galerie verfügt über eine der größten und wichtigsten Kunstsammlungen zur Stadt Berlin. Allein die Grafische Sammlung beherbergt eine üppige Vielfalt von rund 25.000 Werken zu zahlreichen Themen. Auch die Ost-Berliner Kunst macht einen umfangreichen und wertvollen Teil dieses Bestandes aus. In den vergangenen Jahren wurde die Grafische Sammlung um viele, gute Neuzugänge erweitert.

Eine besondere Auswahl wird nun ab dem 14. August teilweise erstmals präsentiert. Es werden über 175 Werke, darunter viele mehrteilige Serien, von 22 Künstlerinnen und 47 Künstlern ausgestellt: überwiegend Zeichnungen in großen, mittleren, kleinen Formaten, viel Buntes und Schwarzweißes in sehr unterschiedlichen Techniken sowie ein facettenreicher Stilmix aus Gegenständlichkeit, Fotorealismus, Surrealismus, Spätexpressionismus, Abstraktion, Illustrationen und Comic.

„Gezeichnete Stadt“ zeigt in sechs Kapiteln einige weltbekannte Künstler*innen – unter anderem
Rainer Fetting, K.H. Hödicke, Tal R, Tacita Dean, Wolf Vostell – bietet aber auch viel Zeit und Raum für Entdeckungen und Wiederentdeckungen starker Werke und starker Künstler*innen-Biografien wie Gabriele Basch, Thomas Bayrle, Gertrude Sandmann, Werner Heldt, Evelyn Kuwertz, Eugen Schönebeck, Klaus Vogelsang.

Die Ausstellung verbindet 20 ostdeutsche Positionen, u.a. Klaus Ensikat, Dieter Goltzsche, Monika Meiser, Florian Merkel, mit 40 westdeutschen Positionen, u.a. Patrizia Bach, Arved Dietrich, Pia Linz, Malte Spohr, Bernd Trasberger.

Die Mehrheit – 50 Künstler*innen – lebt in Berlin und ist derzeit noch kreativ im Einsatz. Einige Werke zeigen Berlin mit intensivem Blick von außen, zum Beispiel von Catherine Bührendt-Metais, Marcel van Eeden, Terry Fox, Antonio Saura, Emilio Vedova.

100 Jahre Groß-Berlin
Berlin feiert dieses Jahr ein besonderes Jubiläum seiner Stadt-Geschichte: Es finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen statt, zu denen auch die „Gezeichnete Stadt“ gehört. Am 1. Oktober 1920 wurden sieben Nachbarstädte und viele Landgemeinden zu einer Stadt zusammengeschlossen. Damit wurde Berlin über Nacht mit rund 3,8 Millionen Bewohner*innen zu einer wirtschafts- und kulturstarken Weltmetropole und neben Los Angeles, New York City und London zu einer der größten Städte der Welt.

Annelie Lütgens, Ausstellungskuratorin und Leiterin der Grafischen Sammlung:
„Folgt man der Geschichte der gezeichneten Stadt, so verläuft sie alles andere als gradlinig, sondern eher in einer Zickzack-Bewegung. Diese urbane Natur, ihre Verwachsungen, Biotope, Strukturen, Architekturen und ihre Bewohner*innen, ihr Typenreservoir bildnerisch zu erforschen, ist das Ziel künstlerischen Handelns durch die Zeiten, und davon erzählt diese Ausstellung, die in sechs Themengruppen gegliedert ist. In vielen Werken lassen sich Spuren der Zeitgeschichte auffinden, und immer wieder schimmern auch Erinnerungsbilder an das Berlin der Weimarer Republik hindurch.“

Tacita Dean, Palast VI, 2005, Blatt 6 der Mappe mit 6 Farb-Fotogravüren, ©Tacita Dean
14.08.2020 - 04.01.2021

Gezeichnete Stadt. Arbeiten auf Papier 1945 bis heute

Berlinische Galerie

Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin