Was für ein Kerl von einem Mann. Riesig. Ein wahres Muskelpaket. Würdevoll sitzt er auf einem Sockel, obwohl sein Gesicht halb abgetragen ist und beide Arme abgeschlagen. „Geschlagener Catcher“ (1963-66, Gips, lackiert) heißt die imposante Skulptur von Gustav Seitz, die Teil der Mannheimer Sammlung ist und Ausgangspunkt für die Ausstellung  „Gustav Seitz. Leib und Seele“, die am 24.10.2019 (um 19 Uhr) in der Kunsthalle Mannheim eröffnet wird. 

Gustav Seitz (1906-1969) gehört zu den ausdrucksstärksten deutschen Bildhauern der Nachkriegszeit. Mit seiner Teilnahme an der Biennale di Venezia 1968 erreichte die öffentliche Wahrnehmung seiner Arbeit einen Höhepunkt. Der relativ frühe Tod des Künstlers 1969 gibt nun, 50 Jahre später, Anlass für einen erneuten Rückblick auf sein Werk innerhalb des Skulpturenschwerpunktes der Mannheimer Kunsthalle.

Unter dem Titel „Leib und Seele“ versammelt die Ausstellung Werke aus der eigenen Sammlung sowie Leihgaben rund um die thematischen Schwerpunkte wie Liebe, Idole, Körper und Porträt in der künstlerischen Arbeit von Gustav Seitz. Neben den skulpturalen Werken stellt die Ausstellung das umfangreiche zeichnerische und grafische Werk des Künstlers vor, wodurch es möglich ist, den räumlichen, plastischen und konzeptionellen Ansatz der Arbeiten auf Papier zu beobachten. Die Ausstellung wird in zwei Ausstellungsräumen im Hector-Bau und im Jugendstilbau der Kunsthalle präsentiert und verbindet so auch die Gebäude miteinander. 

Im Zentrum des Werkes von Gustav Seitz steht die Gestaltung des menschlichen Körpers, vom klassischen Bildnis bis zum geformten Idol. Die Interpretation des Idealbildes weist bei Seitz wechselnde Leitbilder auf, die als Stationen in der Ausstellung aufgegriffen werden und den Werdegang des Künstlers retrospektiv zeigt – vom Spätwerk auf das Frühwerk hin. 

Während sich das Frühwerk an der französischen Moderne und der deutschen Bildhauerei der 1920er Jahre orientiert, sind in seinen späteren Werken das Fragmentarische, die strukturierte Oberfläche und die Verfremdung von Proportionen wesentliche Merkmale seiner plastischen Arbeit. 

Der Leidenschaft des Künstlers für das Porträt und die Nachformung von Persönlichkeiten widmet die Ausstellung eine eigene Sektion. Köpfe und Büsten von Bertolt Brecht, Wolfgang A. Mozart, Joseph Haydn oder anonymen Personen bieten einen Einblick in den auf die Charakterzüge hin orientierten Arbeitsprozess von Gustav Seitz. 

Von den im Mannheimer Stadtraum präsenten Werken des Künstlers werden zwei jeweils kleinere Varianten aus Bronze gezeigt: die „Junge ruhende Sappho“ (1964) und die „Kleine Flensburger Venus“ (1963). Außerdem wird mit der Bronze „Käthe Kollwitz“ (1956) auf eine seiner berühmtesten Skulpturen im öffentlichen Raum verwiesen. So lässt sich bestens beobachten, wie Seitz in unterschiedlichen Vorstufen und Größen seine Motive erarbeitet hat und in lebensgroße Form brachten.

Zusammen mit „Gustav Seitz. Leib und Seele“ werden am Donnerstag, 24.10.2019 (19 Uhr) die Sammlungspräsentation „John Bock. LiquiditätsAuraAromaPortfolio“ sowie die Ausstellung „Liebe, Alltag, Akrobaten. Französische Grafik um 1900“ in der Graphischen Sammlung eröffnet.