Nach der Ausstellung ALMOST ALIVE, die im Sommer 2018 in der Kunsthalle Tübingen zu sehen war und hyperrealistische Skulpturen der Pioniergeneration bis zur Jahrtausendwende präsentierte, fragt die Ausstellung SUPERNATURAL nach der Zukunft der Körperlichkeit im Zeitalter des Anthropozän.
Wir haben durch die Corona-Krise in den letzten Monaten sprichwörtlich am eigenen Leib erfahren, dass sich unser Verständnis der Welt und von uns selbst derzeit tiefgreifend verändert. So ist es mittlerweile überdeutlich, dass die Umweltzerstörung und die Möglichkeiten mittels digitaler Technik und Gentechnologie den Körper innerlich und äußerlich zu erfassen, ihn zu manipulieren und zu verändern auch einen nachhaltigen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung des Menschen haben werden.
Zukünftig werden wir in der Lage sein, alles Lebendige – die Natur, die Tierwelt und die Ebenbilder des Menschen – existenziell zu verändern. Wie werden die Körper der Zukunft aussehen? Wer oder was werden wir sein? In welcher Umwelt werden wir leben?
Werden wir angesichts humanoider Roboterwesen erst erkennen,
was den Menschen wirklich ausmacht? Werden wir die humanen Fähigkeiten wie Empathie, Fantasie und Intuition zukünftig als menschliche Alleinstellungsmerkmale bewusst entwickeln oder es zulassen, dass unser psychisch-mentaler und emotionaler Resonanzraum schwindet und wir selbst zum fremdbestimmten Roboterwesen mutieren? Der seelenlose Cyborg Andro Wekuas und die sensiblen, der Natur zugewandten Selbstporträts Fabien
Mérelles markieren die beiden gegensätzlichen Pole des in der Ausstellung SUPERNATURAL mittels hyperrealistischer und realistischer Skulptur entfalteten Themenfeldes.

Die in der Ausstellung vertretenen Künstler reflektieren jedoch nicht nur Auswirkungen der digitalen Revolution und der Gentechnik auf den »posthumanen« Menschen und die Umwelt, sondern veranschaulichen auch durch hybride Eigenschöpfungen von Tier- und Pflanzenwesen, dass die Grenzen zwischen Natur und Kultur heute fließend geworden sind.

Zu sehen sind Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern aus elf unterschiedlichen Ländern der Welt. Diese sind nach den Themen – Technik-Mensch-Metamorphosen, Hybrid Others, Post-Nature und Künstler 4.0 – gruppiert. Entstanden ist ein aufrüttelnder und teilweise auch verstörender Parcours, der einem im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut“ geht und anregt, sich mit den Fragen unserer Zeit anhand post-humaner Skulptur auseinanderzusetzen.


Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung:
Anne Carnein, Mat Collishaw, Anna Dumitriu und Alex May, Isa Genzken, Glaser / Kunz, Thomas Grünfeld, Alex Hanimann, Rebecca Horn, Sam Jinks, Krištof Kintera, Josh Kline, Peter Land, Goshka Macuga, Reiner Maria Matysik, Maurice Mbikayi, Fabien Mérelle, Patricia Piccinini, Takayuki Todo, Anna Uddenberg, SUPER VIVAZ, Andro Wekua