In den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts entstand in Lüneburg ein herausragendes Kunstwerk: Schreiner, Bildschnitzer und Maler von internationalem Rang schufen die »Goldene Tafel«, einen neuen Altaraufsatz für die Lüneburger Michaeliskirche. Dieses Werk diente der feierlichen Inszenierung eines über Jahrhunderte gewachsenen Kirchenschatzes und zählt mit seinen Bildern und Skulpturen zum Schönsten, was sich aus der Zeit um 1400 in Norddeutschland erhalten hat. Nach einer mehrjährigen wissenschaftlichen Bearbeitung und umfassenden Restaurierung präsentiert das Landesmuseum Hannover die Goldene Tafel nun in einer eigenen Ausstellung. Zusammen mit prominenten Leihgaben aus dem In- und Ausland zeigt die Schau das reiche Panorama auf, das die Kunst der Gotik in ihrer internationalen Breite abbildet. Darüber hinaus führt sie das vielteilige Altarensemble erstmals wieder an einem Ort zusammen.

In den monumentalen Altaraufsätzen des späteren Mittelalters spiegeln sich die Heilserwartungen, aber auch das Repräsentationsbedürfnis und der Kunstverstand der unterschiedlichen gesellschaftlichen Eliten. Für die Goldene Tafel gilt dies besonders: Als krönender Abschluss für die neue Kirche der Benediktinerabtei St. Michaelis entstanden, war das herausragende Werk als zweifach klappbarer Flügelaltar konzipiert. Zwei große Gemälde zieren die Außenflügel. Auf der ersten Wandlung werden ?? Szenen aus dem Leben von Christus und Maria in detailreichen, farbintensiven Malereien ausgebreitet. An besonderen Festtagen wurden die beiden inneren Flügelpaare aufgeschlagen, die dann die reich vergoldeten Skulpturen zu Seiten des Mittelschreins sichtbar werden ließen. In dessen Zentrum stand eine ältere Goldene Tafel, ein reich mit Edelsteinen verziertes und mit hochkarätigem Goldblech überzogenes hochmittelalterliches Altarbild, dem der Flügelaltar seinen Namen verdankt. Darum gruppierten sich in kostbare Gefäße gefasste Reliquien, liturgische Gerätschaften und prachtvoll eingebundene Handschriften. Viele der Einzelteile haben sich über Jahrhunderte erhalten – nun werden sie in der Ausstellung zum ersten Mal wieder zusammengeführt und gemeinsam mit den Altarflügeln gezeigt.

Der Schatz wurde durch zwei spektakuläre Diebstähle im 17. Jahrhundert erheblich reduziert: Besonders der Kirchenraub der deutschlandweit agierenden Bande um Nickel List erfuhr große Aufmerksamkeit und schlug sich in damaligen Publikationen nieder. Die historischen Zeugnisse liefern wichtige Erkenntnisse und ermöglichen eine nahezu vollständige Rekonstruktion des Ensembles. Auch dieses Material wird in der Ausstellung erstmals systematisch zusammengetragen. Dort treffen diese traditionellen Medien auf neue Kunstformen: Der preisgekrönte Hamburger Comickünstler Simon Schwartz übersetzt die Geschichte des Raubes in eine moderne Bildsprache und erzählt sie gerade auch für eine junge und junggebliebene Zielgruppe nach.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die beiden erhaltenen Flügelpaare mit ihren detailreichen Malereien und den reich vergoldeten Skulpturen unter kunstvoll verzierten Baldachinen. Seit der Gründung des Landesmuseums Hannover gehören sie zu den herausragenden Exponaten der Sammlung. Bereinigt von alten Schmutzschichten und Übermalungen erscheinen sie jetzt in neuem Glanz. Über die Zielsetzungen und Verfahrensweisen der aufwendigen Restaurierung informiert ein eigens für die Ausstellung erstellter Film. Zahlreiche Leihgaben machen es möglich, Tafelgemälde, Buchmalereien und Skulpturen, die im Zusammenhang mit der Goldenen Tafel stehen, in der Schau zusammenzuführen.

Gefördert wird die Ausstellung von der Klosterkammer Hannover, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf-August-Oetker Stiftung, der VGH-Stiftung, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Hannover sowie dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: landesmuseum-hannover.de