Anlässlich des 150. Geburtstages des Bildhauers August Gaul im Jahr 2019 präsentiert das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin eine Werkschau des Künstlers, die sich ausschließlich aus einer alten, ehemals Berliner Sammlung speist.

Der Tierbildhauer August Gaul (1869-1921) ist eng mit der Entstehung der Berliner Secession, die ihr 120jähriges Gründungsjubiläum feiert, verbunden. Seine formreduzierte Kunst gilt als entscheidender Ausgangspunkt für die Erneuerung der Bildhauerei am Beginn der Klassischen Moderne. Sein Umgang mit dem Bronzeguss und der Versuch, Auflagen zu begrenzen, sind wegweisend für die Schaffung eines Qualitätsbewusstseins bei Auflagenobjekten.

In keiner Sammlung moderner Kunst nach 1900 durften Werke des Bildhauers August Gaul fehlen. Alle großen Sammler, wie Eduard Arnhold, Franz Oppenheim, Leo Lewin, Oskar Schmitz oder Rudolf Mosse, dessen „Ruhender Löwe“ seit kurzem die James-Simon-Galerie schmückt, besaßen etliche Werke des Tierbildhauers. Den Anspruch, das Gesamtscha en des Künstlers zu dokumentieren, verfolgte Dr. Hugo Zwillenberg, Justiziar des Kaufhauskonzerns Hermann Tietz.

Die Ausstellung im Kollwitz-Museum konzentriert sich auf diese Sammlung, die mittlerweile von der Zwillenberg-Stiftung, Bern verwaltet wird und als Dauerleihgabe im Berner Kunstmuseum deponiert ist. Mit der Werkauswahl, die fast 40 Arbeiten präsentiert, werden zwei wichtige Aspekte im Werk des Künstlers verfolgt: seine große Bedeutung für die Sammler zeitgenössischer Kunst am Beginn des 20. Jahrhunderts sowie sein Verdienst für einen grundlegenden Wandel in der Auffassung von Plastiken im öffentlichen Raum.

Die Werke aus der Zwillenberg-Stiftung stehen für eine in Deutschland durch die Zeit des Nationalsozialismus vernichtete großbürgerliche Sammlerkultur. Die Sammlung konnte durch glückliche Umstände bewahrt werden und ist damit die am vollständigsten erhaltene private Kollektion mit Werken August Gauls aus dem Berlin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie verfügt über exquisite frühe Bronzegüsse, die nebenbei auch die Geschichte der traditionsreichen Bildgießerei Noack erzählen, und sie dokumentiert das Werk des Tierbildhauers von seinen Anfängen in noch impressionistischer Manier bis zu seinen späten, gestrafft modellierten Arbeiten. Exotische Tiere, wie Pinguine und Strauße, stehen neben Bibern, Schafen und Ziegen und versinnbildlichen das rein künstlerische Interesse des Bildhauers an seinem Hauptmotiv.

Im Bestand der Sammlung Zwillenberg finden sich zahlreiche Werke, die vom Künstler für eine öffentliche Aufstellung vorgesehen waren. Es werden dadurch Figurenensembles in das Gedächtnis gerufen, die heute im Berliner Stadtraum übersehen werden oder solche, die einst für Berliner Gärten beauftragt waren und mit ihren Besitzern untergegangen sind.

Mit der Namensgeberin unseres Museums war August Gaul lange Jahre eng verbunden, wie das titelbildende Zitat von Käthe Kollwitz anlässlich des frühen Todes von Gaul dokumentiert. Beide Künstler arbeiteten seit der Jahrhun- dertwende in der Berliner Secession und nach 1918 auch in der Preußischen Akademie der Künste zusammen, beide wurden vom Galeristen Paul Cassirer vertreten und waren Wegbegleiter von Max Liebermann.

Die Ausstellung führt in eine Zeit des künstlerischen Aufbruchs und des honorigen großbürgerlichen Mäzenatentums – konzentriert auf die Person August Gaul, einen der heute am häufigsten unterschätzten Künstler der beginnenden Moderne.


Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Heiligabend und Silvester: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kaethe-kollwitz.de

11.11.2019 - 26.01.2020

August Gaul zum 150. Geburtstag

Käthe-Kollwitz-Museum

Fasanenstraße 24
10719 Berlin