DCloudy with a Chance of Coconuts ist eine Installation der philippinischen Film- und Medienkünstler*innen Shireen Seno (*1983) und John Torres (*1975). 

Neben ihrer eigenen Arbeit sind Seno und Torres Gründer des Kollektivs Los Otros in Manila, einem Labor und einer Plattform für die Produktion und Förderung von filmischen Projekten an der Schnittstelle zwischen Film und Kunst. Sie stehen auch im Mittelpunkt einer weiteren kuratorischen Initiative, der Kalampag Tracking Agency, die sich der Unterstützung und Verbreitung alternativer und experimenteller Praktiken in der philippinischen Filmproduktion widmet. Beide Plattformen zeichnen sich durch Austausch und Offenheit gegenüber anderen Disziplinen, Künstler*innen und eine Unabhängigkeit von der populären Filmindustrie aus.

Cloudy with a Chance of Coconuts ist die erste gemeinsame Präsentation der Künstler*innen in Deutschland. Für ihre Ausstellung im Portikus kreierten Shireen Seno und John Torres ein Filmset, das ebenso autobiografisch ist wie zu einem allgemeinen Thema im Leben zeitgenössischer Kulturproduzenten*innen spricht: Ständig auf Reisen sind ihre Besitztümer dazu bestimmt, zu Hause oder auf der Straße zu bleiben. Was passiert also, mit ihrem in Manila auf der Straße zwischen den Kokosnusspalmen geparkten Toyota Corolla kE25, wenn ein Taifun aufkommt? 

Diese Situtation aufgreifend, wird der Portikus zur Kulisse der persönlichen Geschichte beider Künstler*innen und bietet eine filmische Umgebung, die andere magische und verworrene Geschichten erzählen kann. Von Zeit zu Zeit wird das Set in ein Kino verwandelt, in dem die im Folgenden beschriebenen Spielfilme gezeigt werden.

Die Filmemacherin Shireen Seno untersucht in ihrer eigenen Arbeit Erinnerung, Geschichte und deren Bilder, oft in Bezug auf die Themen Heimat und Kindheit. In ihrer Vergangenheit hat sie oft mit dem bekannten philippinischen Regisseur Lav Diaz zusammengearbeitet. 

Big Boy (2012), ihr erster Spielfilm in Lo-Fi Super-8, erzählt die Coming-of-Age-Geschichte von Julio und den vielen Versuchen seiner Familie, ihn so physisch groß wie möglich zu machen. In den 1950er-Jahren auf der Insel Mindoro ist Senos Darstellung der Vergangenheit zwar nostalgisch, aber sie enthüllt die oft unter der Oberfläche verborgene Gewalt in Familien, die den Traum von einem besseren Leben verfolgen. 

Ihr neuester Spielfilm, Nervous Translations (2018), erzählt die Geschichte einer introvertierten Achtjährigen, die mit ihrem Miniaturküchenset Essen kocht, mit ihrer Mutter fernsieht und wie besessen die Kassetten hört, die von ihrem Vater, einem Wanderarbeiter in Saudi-Arabien, aufgenommen wurden. Seno fängt einfühlsam die Unschuld und Unsicherheit eines Kindes ein, das die manchmal unnachgiebige Welt, von der sein Leben beeinflusst wird, noch nicht versteht.

Das Projekt A Child Dies, a Child Plays, a Woman is Born, a Woman Dies, a Bird Arrives, a Bird Flies Off(2018) widmet sich der Wanderung von Vögeln auf und von den Philippinen und befasst sich symbolisch mit der Migration in vielen Formen und Zeiten. Vögel sind so etwas wie ein Vorbild für den Menschen, der auch oft neue Wege finden muss, um in verschiedenen Gebieten zu überleben.

John Torres ist Filmregisseur, Produzent und Autor, der für seinen sehr persönlichen und poetischen Stil bekannt ist. Seine Filme zeugen von einer einzigartigen improvisatorischen Arbeitsweise und kombinieren Archivausschnitte, Fundstücke und Bilder. Dadurch entfalten sie Erzählstrukturen, welche oft unverwechselbare autobiographische Bezüge enthalten, die sich konventionellen Bildern und Genres widersetzen. Er verfolgt beispielsweise eine „parasitäre“ Filmstrategie, die sich die bestehenden Filmproduktionen als Ausgangspunkt zunutze macht oder positioniert sich an der Peripherie von Filmproduktionen und sammelt deren diverse „Überschüsse“: Streulicht, Ton, Requisiten, Möbel, Bühnenbild und all das, was außerhalb des Hauptsets liegt.

Lukas the Strange (2013) ist eine Geschichte eines unbeholfenen Teenagers, der sich mit seiner eigenen Initiation in die Männlichkeit auseinandersetzt. Nachdem Lukas erfährt, dass sein Vater ein Tikbalang (halb Pferd, halb Mensch) gewesen sein soll, beginnt er im Laufe des Films sich zu fragen, ob er selbst halb Ungeheur sei. 

In seinem Dokumentarfilm People Power Bombshell: The Diary of Vietnam Rose (2016) benutzte Torres 20 Rollen Film, welche er einem nie fertig gestellten Spielfilm des „Retters des philippinischen Kinos“, Celso Advento Castillo (1943-2012), entnahm. Gemischt mit Found Footage und einem neuen Overdub, wurde dies zu einem Making Of-Film mit einer mysteriösen Wendung. Eine Hommage an den Meister, aber auch an die Kraft der filmischen Vorstellungskraft.