Von lautlosen Worten und zerschnittenen räumen 
Das Frauenmuseum Berlin mit der Reihe Kammerspiel zu Gast

Einsam zu sein, Einsamkeit, das bedeutet für Hannah Arendt das Teiles des Einen in eine innere Zweiheit zum Zwecke des stummen Zwiegesprächs zwischen mir und mir selbst. Verstummt das Innere, so falle ich zurück ins Eine-sein, in die Langeweile, Verlassenheit, Isolation. Ich bin dann, so Arendt, weder mit mir selbst zusammen noch mit anderen im Kontakt. Die Zweiteilung des Denkens geht der Einheit im Handeln voraus.
Diese Überlegungen aus einer Vorlesung, die Hanna Arendt 1965 an der New School for Social Research in New York City unter dem Titel Some Questions of Moral Philosophy hielt, nehmen die beiden Künstlerinnen Uschi Niehaus und Ina Geißler mit in ihre gemeinsam konzipierte Ausstellung. Es geht ihnen dabei um eine Begegnung ihrer jeweiligen inneren Dialoge, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Zusammenspiel von Wort und Bild befassen.
Die Künstlerinnen sind Mitglieder des Künstlerinnennetzwerkes Frauenmuseum Berlin und haben beide bei Marwan an der UdK studiert. Uschi Niehaus setzt ihre Bilder der „Lautlosen Worte“ an die Wände und besetzt so den Raum, beschreibt, umschreibt und füllt ihn, lautlos, wenngleich nicht still, sondern auf ihre Weise klingend. Es sind mit farbigen Pigmenten eingeriebene Papiere, aus denen sie Wortfragmente herauskratzt. Ina Geißler antwortet darauf mit Variationen des dekonstruierten Wortkerns „EINANDER“. Mit ausgeschnittenen Buchstaben, die sich zu Wortspielen verbinden, lenkt sie den Blick unter die Ober äche. Sie zerschneidet den Raum mitihren 2m hohen Textfragmenten aus LKW-Planen zickzackförmig in Segmente. So entstehen weitere Räume, die mit den Arbeiten von Uschi Niehaus in Korrespondenz, in ein Zwiegespräch treten.
Als „Lautlose Worte“ und „Zerschnittene Räume“ überschreiten die beiden unterschiedlichen künstlerischen Position die ihnen jeweils eigene „innere Zweiheit“. Indem sie sich gegenseitig räumlich überlagern und verschrän- ken, verbinden sie sich zu einer Zweisamkeit, einem harmonisches Ganzen. Werden solche inneren Dialoge nicht geführt ist der Schritt von der Individualität zur Gleichschaltung vieler laut Hannah Arendt nicht weit entfernt. In diesem Sinne berührt das Ausstellungskonzept implizit auch die Fragen unserer politischen Gegenwart.


Eröffnung: Donnerstag, 23. Januar 2020 um 19:00 Uhr
Einführung: Dr. Sabine Ziegenrücker, Kunsthistorikerin

24.01. - 17.03.2020

2 in 1 – Zweisam: Ina Geißler / Uschi Niehaus

Galerie im Tempelhof Museum

Alt - Mariendorf 43
12107 Berlin