Betye Saar wird mit dem 26. Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig ausgezeichnet. Es ist mehr als an der Zeit, die 1926 in Los Angeles geborene, in Deutschland bisher wenig bekannte Künstlerin zu würdigen, entschied die Jury bestehend aus Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig, Christophe Cherix, Robert Lehman Foundation Chefkurator für Zeichnung und Grafik am Museum of Modern Art (MoMA) in New York sowie den Vorstandsmitgliedern des Fördervereins. Betye Saar schafft seit über 50 Jahren Assemblagen aus den verschiedensten gefundenen Objekten, die sie mit Zeichnung, Drucken, Malerei oder Fotografie kombiniert.

Der Förderverein verleiht den Wolfgang-Hahn-Preis seit über 25 Jahren und erwirbt ein Werk oder Werkkonvolut der Preisträger*innen. „Hier vereint sich die Idee des bürgerschaftlichen Mitwirkens mit dem Wunsch, die Vision des Museums für die Zukunft zu unterstützen“, so Mayen Beckmann, Vorstandsvorsitzende. „Wir freuen uns, mit Betye Saar eine Künstlerin ehren zu können, deren großes Werk in der US-amerikanischen Kunst verwurzelt ist. Sie ergänzt die Sammlung des Museum Ludwig, in der viele US-amerikanische Künstler*innen vertreten sind, um eine bisher fehlende, zentrale Position. In ihrem breiten, aus schamanistischen, religiösen und philosophischen Quellen gespeisten, aus Fundstücken gestalteten und politisch aus dem „Black Feminism“ motiviertem Werk nimmt sie uns mit in ihre eigene Welt oszillierend zwischen Traum, Erinnerung und Erfahrung.“

Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig: „Wir freuen uns sehr, das Werk dieser wegbereitenden afro-amerikanischen Künstlerin zukünftig in unserer Sammlung zu wissen. In den USA ist Betye Saar Kennern schon lange ein Begriff, heute widmen ihr Institutionen wie das New Yorker MoMA oder das Los Angeles County Museum viel beachtete Einzelausstellungen. In Europa hingegen kennt man ihr Schaffen noch viel zu wenig. Es ist unser ausgesprochenes Ziel dies zu ändern und der Künstlerin endlich die Beachtung zukommen zu lassen, die sie schon lange verdient. “

Gastjuror Christophe Cherix über Betye Saar: „In der US-amerikanischen Kunst nimmt Betye Saars Werk eine Schlüsselposition ein. Ihre Assemblagen aus den 1960ern und frühen 1970ern verknüpfen Fragen von Ethnie, Politik und übernatürlichen Glaubenssystemen mit ihrer persönlichen Geschichte. Saar, die in einer von Rassentrennung geprägten Gesellschaft aufwuchs, hat über all die Jahre an ihrem Glauben festgehalten, dass Kunst unsere finstersten Momente und tiefsten Ängste überwinden kann. Heute schöpft eine neue Generation von Künstler*innen aus ihrem überwältigenden Werk und macht deutlich, wie Saar den Lauf der US-amerikanischen Kunst verändert hat. Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 2020 werden Saars außerordentliche Leistungen und ihr Einfluss gewürdigt. Zugleich wird die Notwendigkeit anerkannt, dass die Geschichtsschreibung der Kunst der letzten Jahrzehnte überdacht werden muss.“


Über Betye Saar
Betye Saar lebt und arbeitet seit über 50 Jahren am Laurel Canyon in Los Angeles (L.A.). Seit 1961 hatte sie unzählige Ausstellungen, vor allem in den USA. Zu den frühen wichtigen Einzel-Ausstellungen zählen u.a. Black Girl’s Window im Berkeley Art Center in Kalifornien (1972) und Betye Saar im Whitney Museum of American Art in New York (1975). Saars jüngste Ausstellungen in den USA eröffneten im Herbst 2019: Betye Saar: Call and Response im Los Angeles County Museum of Art sowie Betye Saar: The Legends of Black Girl’s Window im MoMA. In Europa widmete ihr das Museum De Domijnen in den Niederlanden ihre erste Einzelausstellung (2015), die Retrospektive Uneasy Dancer in der Fondazione Prada in Mailand folgte ein Jahr später. Saar ist Trägerin von sechs Ehrendoktorwürden und wurde mehrfach für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.


Über den Wolfgang-Hahn-Preis
Die Gesellschaft für Moderne Kunst verleiht den Wolfgang-Hahn-Preis 2020 zum 26. Mal. Mit der Auszeichnung sollen vorrangig zeitgenössische Künstler*innen geehrt werden, die sich in der Kunstwelt durch ein international anerkanntes Œuvre bereits einen Namen gemacht haben, in Deutschland aber noch nicht so bekannt sind, wie sie es verdienen. Das Preisgeld in Höhe von maximal 100.000 Euro setzt sich aus den Beiträgen der Mitglieder zusammen und fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe der Künstler*in für die Sammlung des Museum Ludwig. Für 2020 wird das Museum Ludwig auch eigene finanzielle Mittel einbringen, um die Erwerbung eines frühen Werks von Betye Saar sicherzustellen. Mit dem Preis verbunden ist eine vom Museum Ludwig organisierte Präsentation der erworbenen Arbeit der Preisträger*in sowie die Herausgabe einer begleitenden Publikation. Für Betye Saar wird es die erste deutschsprachige Publikation sein.

Der Name des Preises ehrt das Andenken an den passionierten Kölner Sammler und Gemälderestaurator Wolfgang Hahn (1924–1987), der sich in vielfältiger Hinsicht für die Kunst der europäischen und amerikanischen Avantgarde in Köln engagierte. Seinem vorbildlichen Wirken als Sammler, als Gründungsmitglied der Gesellschaft und als Leiter der Restaurierungswerkstätten des Wallraf-Richartz-Museum / Museum Ludwig fühlt sich die Gesellschaft für Moderne Kunst verpflichtet.


Preisverleihung und Eröffnung: Dienstag, 21.4.2020, 18:30 Uhr