Mit dem Handlettering feiert die Kunst der gestalteten Buchstaben zurzeit ein großes Comeback. Ob auf Postkarten, in den Sozialen Medien oder auf Alltagsgegenständen – die fein gearbeitete Handschrift begegnet uns überall. Bereits seit dem 4. Jahrhundert war die kunstvolle Typografie beliebt: Sogenannte Initialen, prachtvoll verzierte Anfangsbuchstaben, schmückten, illustrierten und gliederten Bücher und Texte.

Die Kabinettschau „Die Kunst der schönen Buchstaben“ im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg widmet sich der frühen Buchkunst und dem Handwerk der Initialenmalerei. Vom 17. Dezember 2019 bis zum 15. März 2020 wird im Prinzenpalais die erst kürzlich im Bestand entdeckte Sammlung an Initialen erstmals ausgestellt, darunter Arbeiten von Hans Holbein d. J. und Hans Baldung Grien. Die Initialensammlung wurde 1894 für den Oldenburger Kunstgewerbe-Verein angekauft und war vermutlich eine Art Vorbild- und Mustersammlung für die ansässigen Handwerker.

Zu den einfachsten Formen der Initiale gehören die Lombarden. Sie sind meist einfarbig rot oder blau und haben eine einfache, bauchig gerundete Form. Oft sind sie der einzige Schmuck von Handschriften aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Wesentlich aufwändiger gestaltet sind die Fleuronné-Initialen der Gotik. Lineare, mit der Feder gezeichnete Ornamente erinnern an Formen aus der Pflanzenwelt. Einen Höhepunkt erlebt die Buchkunst mit den sogenannten historisierten Initialen, in denen eine szenische Darstellung mit Bezug auf den Text untergebracht ist. Für diese prachtvollen Buchstaben lassen die Schreiber an der entsprechenden Textstelle Platz, damit der Miniaturmaler nachträglich die Schmuckinitiale ergänzen kann.

Die Kabinettschau „Die Kunst der schönen Buchstaben“ versammelt über 100 Arbeiten vom Mittelalter bis zur Renaissance. Prachtvolle Ornamente in leuchtenden Farben, golden schimmernde Akzente oder schlichte Eleganz – die facettenreiche Präsentation zeigt, wie unterschiedlich Initialen sind und wie sich die Initialenmalerei im Laufe der Zeit entwickelte.

Die Kabinettschauen im Prinzenpalais
Mit dem Präsentationsformat der Kabinettschau befragt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg stets aufs Neue seine umfangreiche grafische Sammlung. In regelmäßigen Abständen werden die meist sehr empfindlichen Arbeiten für kurze Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Kabinettschauen sind ein temporäres Schaufenster für die vielfältige Sammlung des Museums und laden die Besucherinnen und Besucher ein, die grafischen Bestände des Landesmuseums regelmäßig neu zu entdecken.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen
Weitere Informationen direkt unter: landesmuseum-ol.de

Spätgotische Initiale „Q“, 15. Jahrhundert, Landesmuseum Oldenburg
17.12.2019 - 15.03.2020

Die Kunst der schönen Buchstaben

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg - Prinzenpalais

Damm 1
26135 Oldenburg