Die Ausstellung konzentriert sich auf Dorothee Diebolds aktuelle Serie „Biomorpher Malerei“ (2018/19), die sie aus der Beschäftigung mit dem Objektcharakter des Tafelbildes entwickelt hat. Die organoiden Formen dieser mehrschichtig aufgebauten Bildobjekte verlassen ihren angestammten Platz an der Wand und wachsen gleichsam in den Ausstellungsraum hinein. Sie hängen als verlebendigte Gebilde unter der Decke, nisten sich in Raumecken ein oder sind als vollplastische Skulpturen auf dem Boden platziert.

Ihre weichen, gepolsterten Rundungen sind mit einer „Stoffhaut“ überzogen, die man im Malerei-Kontext als Bildoberfläche oder als Materialbezeichnung Leinwand nennen würde. Im Kontrast zu den biomorphen Wucherungen erinnern die dort zu sehenden Strukturen eher an tellurische Formationen, mikroskopische Aufnahmen, als auch die Weite der Himmelshorizonts oder an die Oberflächen von glatt geschliffenen Steinen aus Flüssen oder am Meeressaum; eine Assoziation, die durch das Funkeln des von Dorothee Diebold teilweise verwendeten Glitzerstaubs noch weiter genährt wird.

Beim genaueren Hinsehen erkennt man die diaphane Beschaffenheit der textilen Membranen. Das durchscheinende Material lässt die darunter liegenden Strukturen wie hinter einem Schleier erahnen ohne sie gänzlich preiszugeben. Dorothee Diebolds Arbeiten changieren zwischen unterschiedlichen Wesenszuständen: Sie behaupten ihren Platz und Raum als Skulptur und lassen sich gleichzeitig wie ein Tafelbild betrachten. Sie befragen das Verhältnis von Volumen und Oberfläche, von Dichte und Schwere, Nähe und Ferne, von Härte und Weichheit auf eine Weise, die die Betrachtenden irritiert und zu einer eigenen Haltung herausfordert.


Die Ausstellung im Haus am Lützowplatz wurde initiiert von René Block und ist eine Kooperation mit der Kunsthal 44Møen und der Städtischen Galerie Nordhorn.