Mit gerade einmal 41 Jahren gewinnt Lynn Chadwick 1956 als jüngster Bildhauer der Nachkriegszeit den Internationalen Preis für Skulptur auf der 28. Biennale in Venedig. Diese Auszeichnung überrascht, gelten doch Germaine Richier, César und Alberto Giacometti in diesem Jahr als Favoriten. Chadwick hingegen ist zu diesem Zeitpunkt ein relativer Newcomer in der Kunstszene. Dass die Wahl auf Chadwick und nicht auf Giacometti oder Richier fällt, zeigt, dass seine Werke in besonderer Weise den Nerv der Zeit treffen. Seine ausdrucksstarken Kreaturen verbildlichen die für diese Zeit prägende Mischung aus utopischer Fortschrittshoffnung und existentieller Angst aufgrund der traumatischen Kriegserfahrungen. 

Chadwick entwickelt als Autodidakt eine ganz eigene Formensprache, die sich aus der Reflexion von Architektur und Natur speist. Seine hybriden Kreaturen setzen sich aus menschlichen, tierischen und architektonischen Elementen zusammen. Häufig arbeitet er über Jahrzehnte hinweg an seinen Werkgruppen. So entstehen bis 1990 über 100 Variationen der "Biester".

Eine wichtige Rolle spielt für den Künstler der Entstehungsprozess der Skulpturen. Chadwick, der zunächst als technischer Zeichner und Designer gearbeitet hat, modelliert seine Formen nicht in Gips oder Ton, sondern schweißt zunächst ein Gerüst aus Metallstangen. Dieses wird dann mit Stolit (einer Mischung aus Gips und pulverisiertem Eisen) ausgefüllt und die so entstandene Figur in Bronze gegossen. Chadwicks Zeichnungen auf Papier entstehen hingegen immer erst im Nachhinein. Sie basieren zwar motivisch auf seinen plastischen Arbeiten, haben aber keinen vorbereitenden Charakter. Stattdessen dienen sie dem Künstler zur Überprüfung der skulpturalen Formensprache, aber auch als Dokumentation. Im Unterschied zu den Skulpturen ist die Darstellung von Körpern und Gesichtern weniger abstrahiert.

Ein einzigartiges Gesamtkunstwerk hinterlässt der Künstler mit Lypiatt Park, wo er 45 Jahre lebte und arbeitete. Im dort entstandenen Skulpturenpark finden Chadwicks Werke eine ideale Umgebung. Häufig sind die Figuren vor dem Horizont oder einer Steinwand platziert, um ihre Konturen hervorzuheben. In der sorgfältigen Positionierung der Werke zeigt sich einmal mehr Chadwicks besonderes Gespür für gebaute Konstruktion und organische Formen gleichermaßen. 

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen.

Mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kunststiftung NRW, der Sparkasse Duisburg, der Henry Moore Foundation und der Stadt Duisburg im Rahmen der Duisburger Akzente. In Kooperation mit dem Haus am Waldsee, Berlin, und dem Georg Kolbe Museum, Berlin.