Das Fotografieren, wie auch das Fotografiert-Werden gehört heute mehr denn je zu unserem Alltag. Und doch – wer auf der Straße ungefragt Passant*innen fotografiert, läuft Gefahr verklagt zu werden. Fotografien, die ohne Einwilligung der Abgebildeten gemacht wurden, stehen im Spannungsverhältnis von Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit. Es stellt sich die Frage, was schwerer wiegt: das Recht am eigenen Bild oder das Recht am Bildermachen?

Fotografien aus dem Alltag von Protagonist*innen der heutigen Zeit prägen unsere Sicht auf die Gesellschaft. Als wichtiges Kommunikationsmedium regen die Aufnahmen zum Denken an und fördern politische Auseinandersetzung. Wo verlaufen die ethischen Grenzen der Fotografie? Wo endet die künstlerische Freiheit? Und welche fotografischen Bilder dürfen wo, wann, wie und von wem gezeigt und veröffentlicht werden? Die Grenzen des Bildermachens und Bilderzeigens sind kulturell, religiös, politisch und rechtlich bedingt und unterliegen stetigen Veränderungen.

Im Jahr 2018 sah sich der Berliner Fotograf Espen Eichhöfer mit einer Unterlassungsklage konfrontiert, nachdem er eine Fotografie, die auf den Straßen Berlins entstanden war, im öffentlichen Raum ausstellte. Dieser Fall, der deutlich macht, wie wichtig eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit der ematik ist, endete schließlich vor dem Bundesverfassungsgericht.

DAS ILLEGALE BILD spannt einen Bogen von heimlich gemachten Schnappschüssen über Bilder, die der Zensur zum Opfer elen, bis zu sozialkritischen Reportagen und konzeptionellen Untersuchungen des Mediums Fotografie. Sechs künstlerische Positionen beleuchten die Frage nach legalen und illegalen Bildern – zwischen sozialem Tabu, gesellschaftlicher Relevanz und künstlerischer Freiheit.

In ihrer umstrittenen Serie Dirty Windows, die Anfang der 1990er Jahre entstand, konfrontiert die amerikanische Fotografin Merry Alpern die Betrachtenden in schonungsloser Offenheit mit Szenen, die sie heimlich durch das Badezimmerfenster eines illegalen Sexclubs in Manhattan aufgenommen hat. Censorship Daily von Jan-Dirk van der Burg zeigt Titelblätter einer niederländischen Tageszeitung, die von den iranischen Behörden zensiert wurden. Verbotene Elemente wurden in akribischer Kleinarbeit von Hand überklebt oder ausgeschnitten. Espen Eichhöfers Arbeit A to B machte bundesweit Schlagzeilen: Im Jahr 2013 stellte der Fotograf Bilder, die auf den Straßen Charlottenburgs entstanden sind, im öffentlichen Raum aus. Eine der Fotografierten sah sich dadurch in ihrem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt. Der Fall endete mit einem Teilerfolg für die Freiheit der Street Photography vor dem Bundesverfassungsgericht. In seinem Kurz lm Killed schneidet William E. Jones eine Auswahl unerwünschter Aufnahmen zusammen, die während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er und -40er Jahren in den USA entstanden. Tausende Negative wurden durch die FSA (Farm Security Administration) gelocht und damit zerstört. Das historische Material ist erst seit kurzem zugänglich und vermittelt einen Eindruck von dem offziellen Blick der Behörden auf diese Zeit. Carola Lampe befasst sich in ihrer Multimedia-Installation Humanoid mit Fragen der Überwachung in unserer Gesellschaft. Seit Jahrzehnten untersucht Beat Streuli wie Menschen sich im öffentlichen Raum der Großstadt verhalten. So stehen nicht die Sehenswürdigkeiten und die Architektur New Yorks im Zentrum seiner Serie Manhattan 09, sondern die sich in der Anonymität der Masse bewegende Bevölkerung.

Kuratiert von Espen Eichhöfer, Katharina Mouratidi und Natascha Pohlmann.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Sonntag: 13:00 - 19:00 Uhr

DAS ILLEGALE BILD – Fotografie zwischen Bildverbot und Selbstzensur (6.2. - 5.4.20 )© Espen Eichhöfer, aus der Serie A to B.
06.02. - 05.04.2020

DAS ILLEGALE BILD – Fotografie zwischen Bildverbot und Selbstzensur

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Waldemarstraße 17
10179 Berlin