Anette Lenz lebt in Paris und zählt zu den einflussreichsten Gestalter*innen der Gegenwart. In Frankfurt widmet ihr deshalb das Museum Angewandte Kunst erstmals in Deutschland eine Ausstellung.

Nach ihrem Grafikdesign-Studium in München trat sie in Paris dem Gestalterkollektiv Grapusbei, das sich mit Henryks Tomaszewskis „Kultur des Verrückten Einfalls“ und der Beuyschen Idee der „Sozialen Plastik“ an die Spitze der zu dieser Zeit allein ökonomisch orientiertenfranzösischen Gestalterwelt geputscht hatte. Aus dem Misstrauen gegen kommerzielle Werbung entwickelten Grapus und damit auch Anette Lenz völlig neue Strategien für die Kommunikation im öffentlichen Raum. Dies ist bis heute ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Unaufgeregt, aber umso relevanter für eine visuelle Wahrnehmung, hat sich Anette Lenz in den letzten 30 Jahren in der französischen Grafikwelt und international etabliert.

Anette Lenz gestaltete u.a. die visuellen Identitäten mehrerer französischer Städte, Theater und Museen. Sie entwickelte mit ihrem Spiel mit Typografie, Farbe und teilweise auch Fotografie außergewöhnliche Plakatserien, Ausstellungsdesigns und Bücher, wobei fürAnette Lenz „das Plakat eines der demokratischsten Medien schlechthin“ ist. In einer nach wie vor männlich dominierten und von ökonomischen Faktoren bestimmten Kommunikationswelt, hat sie sich ihre Einmaligkeit bewahrt und ist Teil einer längst überfälligen Genderkorrektur geworden. Sie kann als Vorreiterin einer neuen Generation von Grafikdesigner*innen gewertet werden, die sich ihrer politisch-gesellschaftlichen Rolle bewusst sind.

In ihrer Einzelausstellung wird Anette Lenz die Museumsräume in begehbare grafische Welten verwandeln, die visuelle Kommunikation nicht als Kauf- sondern als sinnlich- poetischen Denkanstoß erleben lassen werden.