Das Franz Marc Museum besitzt ein einzigartiges Dokument: Franz Marcs Notizheft zur Farbe, in das Franz Marc um 1910 seine Gedanken zu diesem Thema schrieb. Damals setzte er sich mit wissenschaftlicher, farbtheoretischer Literatur auseinander und hielt wichtige Erkenntnisse in dem Notizheft zur Farbe fest.

Allerdings enttäuschten ihn die traditionellen Farbtheorien. Um zur revolutionären Farbgebung seiner Werke zu gelangen, musste Marc einen eigenen Weg finden, der sich an den in der Ausstellung präsentierten Gemälden und Aquarellen nachvollziehen lässt: Ausgehend von einer naturalistischen Farbgebung, ließ Marc sich vom Umgang des Impressionismus mit der Farbe anregen, was sich in Gemälden mit sehr heller, lichtvoller Farbigkeit niederschlug. Eine wichtige Inspirationsquelle war für ihn die Malerei Vincent van Goghs, die ihn zur Befreiung der Farben von ihrer Gegenstandsbindung führte und ihre emotionale Kraft betonte. Für seine letzten, nahezu abstrakten Gemälde orientierte Marc sich schließlich an Robert Delaunays Komplementärfarbkontrast und kam so zu einer strahlenden, auf den Grundfarben basierenden Farbigkeit.

Vor allem mit dem Freund August Macke tauschte Franz Marc sich über Fragen der Farbe aus. Ihm schrieb er begeistert von einem Kammermusikabend Arnold Schönbergs, der ihm einen „starken Ruck gegeben habe“. Schönbergs Begriff der „Klangfarbenmelodie“ macht die neue Freiheit der Töne in der Musik wie die der Farben in der Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts anschaulich.