mit der Ausstellung „Aenne Biermann. Vertrautheit mit den Dingen“ eröffnet das Museum Folkwang das neue Ausstellungsjahr und widmet der renommierten Fotografin Aenne Biermann seit langer Zeit wieder eine Retrospektive. Rund 100 Arbeiten geben einen Überblick über das kurze, aber produktive Schaffen der Künstlerin. Zu den Highlights zählen Portraits von Kindern, Gesteins- und Pflanzen-Aufnahmen sowie Stillleben. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München.

Aenne Biermann (1898-1933) zählt zu den wichtigsten Protagonistinnen der modernen Fotografie um 1930. Biermann kommt als Autodidaktin zur Fotografie, als sie beginnt, die ersten Entwicklungsphasen ihrer Kinder im Bild festzuhalten. Ab 1926 setzt sie sich intensiv mit den gestalterischen Möglichkeiten des Mediums auseinander. Das ‚Neue Sehen‘, die „Betrachtung” der unmittelbaren Umwelt und die damit verbundene Subjektivität, bilden den Kern von Aenne Biermanns Schaffen. Enge Bildausschnitte, unkonventionelle Perspektiven auf Menschen und Dinge, fokussierte Oberflächen und eine kontrastreiche Ausleuchtung zeichnen Biermanns Motive in ihrem Detailreichtum aus. Sie findet ihre Motive im täglichen Leben und nutzt die Möglichkeiten der Bildkomposition und der Weiterentwicklung fotografischer Techniken: So entstehen Motivgruppen wie Pflanzen, Gesteine, Portraits, Stillleben oder Kinder. In Aenne Biermanns Fotografien geht es stets um den Blick auf das Wesen der Dinge. So stehen bei ihren Pflanzenaufnahmen nicht der symmetrische Bildaufbau oder der analytische Fokus im Mittelpunkt; im Gegenteil zeigen die Arbeiten ihren subjektiven Blick und die damit verbundene bildnerische Wirkung des Motivs. 

Aenne Biermanns Aufnahmen waren zu ihren Lebzeiten in allen wichtigen Ausstellungen jener Zeit vertreten, nicht zuletzt in der Essener Wanderausstellung „Fotografie der Gegenwart“ sowie in der wegweisenden internationalen Ausstellung des Deutschen Werkbunds „Film und Foto“ (FiFo) 1929. Das Museum Folkwang ist im Besitz umfangreicher Bestände der Künstlerin. Gemeinsam mit der Pinakothek der Moderne / Bayerische Staatsgemäldesammlungen, die durch die Stiftung Ann und Jürgen Wilde ein ähnlich umfangreiches Konvolut der Fotografin in ihrem Bestand hat, wird das vielfältige, aber stringente Schaffen von Aenne Biermann erfahrbar: Die Ausstellung umfasst 100 Schwarz-Weiß-Fotografien aus den Jahren 1925 bis 1932 sowie umfangreiches dokumentarisches Material.

Nachdem im Jahr 1987 die damalige Leiterin der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang, Ute Eskildsen, Aenne Biermann nach intensiven Recherchen für die Gegenwart wiederentdeckte und mit einer Ausstellung würdigte, ist es das erste Mal, dass dieser renommierten Vertreterin der Avantgardefotografie am Museum Folkwang wieder eine Präsentation gewidmet und ein so großer Sammlungsbestand der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Eine Kooperation mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München.