Die Kunsthalle zu Kiel zeigt die multimedial arbeitende Künstlerin Rachel Maclean (*1987, Schottland) in ihrer ersten musealen Einzelausstellung in Deutschland. Mittels digitaler Video-, Virtual Reality- und Fototechnik entwirft Maclean bildgewaltige Erzählungen, die in grellfarbigen Fantasiewelten spielen. Ihre humorvollen und bitterbösen Gegenwartssatiren beziehen sich auf Märchen wie Rotkäppchen und der Wolf oder Der Wind in den Weiden. Mit opulenten Kostümen und aufwendigem Make-up spielt die Künstlerin ihre verschiedenen Figuren fast immer selbst. In ihren unverwechselbaren Arbeiten widmet sich Rachel Maclean Themen wie dem Nationalismus, den Veränderungen des sozialen Lebens im virtuellen Raum, Geschlechterbildern und dem Konsumverhalten.
Die Ausstellung zeigt HD-Video-Projektionen, eine VR-Installation sowie digitale Malereien.

Erstmals in Europa präsentiert die Kunsthalle auch Macleans jüngstes Werk Native Animals (Einheimische Tiere, 2019). Die Arbeit besteht aus 23 digitalen Malereien und einer Acht-Kanal-Video-Installation. Die Künstlerin widmet sich darin unter anderem der britischen Identität und dem Brexit. Die Kunsthalle zu Kiel erhält dieses Werk als Schenkung der Künstlerin.

Native Animals ist durch Tiercharaktere wie Kröterich, Dachs oder Hase aus Kindergeschichten wie Der Wind in den Weiden (1908) und Peter Rabbit (1902) inspiriert. Rachel Maclean spielt alle Figuren selbst. Motivisch zitiert die Künstlerin unter anderem das friedliche Landleben, wie es Werke der klassischen britischen Landschaftsmalerei zeigen. Doch Rachel Macleans fabelhafte Welt ist ein düsterer Ort. Gesellschaftliche Zugehörigkeit und Ausgrenzung sowie die scharfe Trennung sozialer Klassen in Zeiten digitaler Kommunikation spielen eine wesentliche Rolle.

Unter den gezeigten Werken ist auch der Film Feed me (Füttere mich, 2015), in dem sich die Künstlerin der Beziehung zwischen der Kommerzialisierung von Kindheit und der Sexualisierung des Kindlichen bei gleichzeitiger Infantilisierung des Erwachsenenverhaltens widmet. Schauplatz ist eine Welt, die von einem Spielzeughersteller namens Smile.inc regiert wird.

In ihrer ersten künstlerischen Arbeit mit der Virtual-Reality-Tech- nik zeigt Rachel Maclean unter dem Titel I’m Terribly Sorry (Es tut mir schrecklich leid, 2018) eine ins Groteske verzerrte britische Großstadtwelt, in der das Selbstverständnis Großbritanniens fundamental ins Wanken gerät. Ästhetisch und handlungsstrategisch ist diese Arbeit an den Stil von Videospielen und Science-Fiction-Filmen angelehnt.

Weitere Werke der Ausstellung widmen sich Bildern von Weiblichkeit, der Macht der Werbung und dem Phänomen des Niedlichen, das wesentlicher Bestandteil unserer Alltagskultur geworden ist.

Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstanden. Rachel Maclean hat für ihre Arbeiten in der Kunsthalle zu Kiel ein eigenes Konzept entworfen, das Farben aus ihren Werken aufnimmt und in den Raum überträgt: Entstanden ist ein grellbunter Parcours, der durch zwei grundverschiedene Farbwelten führt. Im ersten Bereich laufen Ausschnitte der britischen Flagge, des Union Jack, über sämtliche Wände vor rotem Boden. Im weiteren Verlauf der Ausstellung zeigt Maclean ihre Werke vor pinken Wänden und leuchtend blau gehaltenem Teppich.

Rachel Maclean wurde 1987 in Edinburgh geboren. Sie lebt und arbeitet in Glasgow. Die Künstlerin studierte bis 2009 Drawing and Painting am Edinburgh College of Art, Schottland. Seit 2011 nimmt Rachel Maclean an internationalen Filmfestivals und Screenings teil und ist in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit zu sehen. Zu ihren jüngsten Einzelpräsentationen zählen Ausstellungen in der National Gallery London (2018/2019) sowie im Tel Aviv Museum of Art (2019/2020). Auf der 57. Biennale di Venezia im Jahr 2017 repräsentierte sie Schottland.

2014 erhielt Maclean den Margaret Tait Award – Schottlands renommiertester Preis für Videokünstler*innen. 2013 sowie 2015 war sie auf der Shortlist des Jarman Award, der Künstler*innen im Bereich innovatives und experimentelles Bewegtbild ehrt.

Die Ausstellung wird begleitet von der ersten, umfangreichen Publikation auf Deutsch und Englisch über die Künstlerin. Erschienen ist der Katalog im Hatje Cantz Verlag mit Beiträgen von Joshua Paul Dale, Anette Hüsch, Muriel Meyer, Nina Power und Matthew Shaul.