Anlässlich der großzügigen Schenkung von Sigrid Kaus von 20 Gemälden des Künstlers Max Kaus (1891–1977) würdigt das Brücke-Museum sein vielschichtiges Werk mit einer Ausstellung. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Sigrid Kaus sind Kunstwerke zu erleben, die bisher noch nie in einer Ausstellung zu sehen waren und so einen neuen Blick auf den Künstler ermöglichen.

Gezeigt werden Gemälde, Druckgrafiken und Aquarelle aus den Jahren 1911 bis 1975, von seinem expressionistisch geprägten Frühwerk bis zu seinem zur Abstraktion neigenden Spätwerk. Ihnen gegenüber treten Werke von Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller und Max Pechstein. Durch den Dialog zwischen den Werken der Künstlerfreunde spürt die Ausstellung dem weitgespannten Netz an Personen und Bildern nach, die Max Kaus umgaben.

Der erste Teil der Ausstellung stellt ausgehende von den 20 neuerworbenen Gemälden die Entwicklung von Kaus` malerischem Werk dar. Unter den hier gezeigten Exponaten befinden sich u.a. zwei Werke seines frühen Œuvres (Portait Turu von 1911 und Ernst Weitzel mit der Seglerjacke von 1913), die bislang noch nie in Ausstellungen zu sehen waren, sowie zehn Gemälde aus seinem, heute nur noch wenig bekannten, abstrahierenden Spätwerk der 1940er- bis 1970er-Jahre. Der Künstler selbst hat stets die Kontinuität seines künstlerischen Schaffens betont: Alle Arbeiten seien von „Natureindrücken“ und seinem „Wunsch nach einer Geordnetheit im bauenden Sinne“ bestimmt. Die Ausstellung lädt ein, sich hier- von ein Bild zu machen und den Blick insbesondere auf sein sich zur Abstraktion wendendes Spätwerk zu richten. So inspirierten Kaus beispielsweise in den 1950er-Jahren Reisen an die Nordsee zu abstrakten Kompositionen, die ihren klaren Bezug zum Gegenstand zugleich nie aufgeben. Ein Beispiel für diese Werkgruppe ist das Landschaftsgemälde Wattenmeer von 1952, in dem der Künstler Land, Meer und Himmel in geschwungenen Formen und Farben miteinander verwebt. Ab der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre entdeckte Kaus Rom als Urlaubsziel sowie als Inspirationsquelle für seine künstlerische Arbeit. Die antiken Bauten und Ruinen faszinierten den Künstler und verhalfen ihm zur Entwicklung einer neuen, abstrakteren Bildsprache. So nimmt Kaus in seinem Gemälde Gelbe Fassade, Rom(1959) beispielsweise Mauerstrukturen eines römischen Gebäudes als Ausgangspunkt für ein neues Form-Farb-Gefüge.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Freundschaft zwischen Kaus und den Brücke-Künstlern. Er lernte Erich Heckel während des Ersten Weltkriegs kennen. 1919 machte ihn dieser mit Karl Schmidt-Rottluff bekannt, 1920 lernte er schließlich auch Otto Mueller und Max Pechstein kennen. Anhand verschiedener Themenfelder wird der facettenreiche Austausch zwischen Kaus und den Brücke-Malern beleuchtet. Der Blick reicht vom Motiv der Badenden, über die vielseitigen Umsetzungsmöglichkeiten der Lithografie bis hin zu Kaus’ Mitwirken an einer von Schmidt-Rottluff 1926 geplanten Künstler- und Ausstellungsgemeinschaft. Besonders gut sichtbar wird die gegenseitige Wertschätzung von Kaus, Heckel und Schmidt-Rottluff in den Freundschaftsgaben, die sie einander machten. So widmet sich ein Ausstellungskapitel speziell den Werken, die sich die Künstler über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten gegenseitig schenkten. Einige dieser Freundschaftsgaben sind mit handschriftlichen Widmungen versehen, die die enge Verbundenheit der Künstlerkollegen zum Ausdruck bringen. Max Kaus überließ beispielsweise zur Erinnerung an ihre gemeinsame Zeit in Ostende, wo er und Heckel während des Ersten Weltkrieges als Sanitäter stationiert waren, seinem Freund einige Holzschnitte und Lithografien, die er seinerzeit in Flandern geschaffen hatte.

Im Brücke-Museum befindet sich Kaus buchstäblich im Haus seiner Freunde. Diese Verbindungen verdeutlicht nicht zuletzt die Anzahl von Werken des Künstlers, die es besitzt. Erste Werke gelangten bereits 1966 durch Erich Heckel ins Brücke-Museum. Von den 180 Arbeiten von Kaus, die heute zur Sammlung des Brücke-Museums gehören, sind insgesamt 31 Gemälde. Das Brücke-Museum schätzt sich somit glücklich, das größte museale Konvolut an malerischen Werken des Berliner Künstlers in seinem Bestand zu wissen – eine Ge- währ dafür, dass Max Kaus auch in Zukunft einen festen Platz im Kreis seiner Freunde haben wird.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine kleine zweisprachige Publikation, die im Museum käuflich zu erwerben sein wird.

Kooperation
Zusätzlich gibt seit diesem Frühling die Kooperation „Von Haus zu Haus“ mit dem Haus am Waldsee und dem Georg Kolbe Museum. Unser Tipp: Eine Spritztour mit dem Fahrrad durch den Grunewald und dabei moderne und zeitgenössische Kunst auf internationalem Niveau genießen. Alle drei Häuser werden im Mai wieder öffnen (wenn auch eingeschränkt), allein die besonderen Architekturen sind Grund genug für einen Abstecher nach Zehlendorf, Dahlem und ins Westend. Ihre Lage am Rande des Grunewalds bietet die unschlagbar gute Möglichkeit Kunst und Natur gleichzeitig zu genießen.