Paula Fröhlich (*1994) beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit den Bedingungen, Räumlichkeit zu konstruieren. Sie eignet sich einen realen Raum an, indem sie von diesem ausgehend einen Bildraum organisiert. Spiegel, Flächen und Linien sind in der künstlerischen Umsetzung für die RADAR-Reihe ihre
bevorzugten Mittel, um den Raum im Bild zu aktivieren. Ausgehend vom Standpunkt der Betrachtenden und den tageszeitabhängigen Lichtverhältnissen entsteht ein spannungsgeladenes Wechselverhältnis, in welchem sich der reale und der konstruierte Raum bedingen und unaufhörlich durchdringen.

Räumlichkeit umfasst die Bestimmbarkeit von Nähe und Distanz sowie von Flächigkeit und Tiefe. Sobald eine Fläche durch eine dritte Koordinate erweitert wird, kann diese als Tiefe gelesen werden und erzeugt ein perspektivisches Verhältnis zur Fläche. Erst diese dritte Koordinate lässt die Wahrnehmung von Räumlichkeit zu. Doch ist eben dieser Moment der Raumwahrnehmung keineswegs konstant, sondern standpunktabhängig und folglich von flüchtiger Natur. Davon ausgehend konstruiert Paula Fröhlich in ihrer künstlerischen Auseinandersetzung zwar physisch erfahrbare Raumeindrücke, die aber immer wieder auf ihre materielle Zweidimensionalität zurückverweisen. Mit diesem Ansatz entlarvt sie vorsätzlich die Konstruiertheit jener Räumlichkeiten und distanziert sich bewusst von der Tradition illusionistischer Bildraummalerei.

Durch den gezielten Einsatz von Linien und farbigen Flächen erzeugt die Künstlerin für Loop eine Wiederholung der Ausstellungsarchitektur – im Raum und im Bild. Die strategische Anbringung von Spiegelflächen treibt jenes Spiel um Fläche und Tiefe zusätzlich auf die Spitze: Der reale Raum spiegelt sich, verweist nicht nur auf sich selbst, sondern wird auch zum Abbild und geht dadurch in eine Flächigkeit über. Der Transformationsprozess zwischen Dreidimensionalität und Zweidimensionalität bedingt sich selbst und wiederholt sich unentwegt.

Die Auswahl der Farbe ist hierbei zunächst begründet durch die bereits vorhandene Farbgebung am Aegidiimarkt und des Ausstellungsraums selbst (vornehmlich Grau-, Beige-, Braun-, Weißtöne) zu welcher der gewählte Farbton einen leuchtenden Kontrast bildet. Gleichzeitig entschied Fröhlich sich bewusst für eine Farbe, die sich von Symbolhaftigkeiten oder anderen unmittelbaren Konnotationen distanzieren kann (z. B. Grün für Wald). Außerdem kann der gewählte Farbton bei längerer Betrachtung das reine Weiß leicht verfärben, somit wandelt sich nicht nur die Lesbarkeit von unterschiedlichen Räumlichkeiten, sondern auch von farblichen Eindrücken, die durch das Tageslicht noch weiter beeinflusst werden.

Des Weiteren bezieht die Künstlerin auch das beinahe wandfüllende Fenster des Ausstellungsraums mit ein. Es liegt der Längsseite der Ausstellungswand gegenüber und stellt die jungen Kunstschaffenden der RADAR-Ausstellungen vor eine besondere Herausforderung. Paula Fröhlich macht sich dessen transparente und bisweilen stark reflektierende Eigenschaft zunutze, indem sie es als durchscheinende Barriere zwischen Innen und Außen mitdenkt und zu einem unabdingbaren Element in ihrer künstlerischen Ausarbeitung erklärt. Im Blick von außen ist je nach Sonnenstand eine Reflexion und folglich eine Verdopplung des Außenraumes auf dem Fensterglas zu beobachten. Zusätzlich erzeugt die Sonne ihre eigenen Flächen im Spiel um Licht und Schatten auf den Wänden des Ausstellungsraumes.

Loop ist ein materialisiertes Gedankenexperiment. Es reagiert auf die bereits gegebenen Spiegelungen, Flächen und Perspektiven des faktischen Außen- und Innenraumes und potenziert diese durch das Hinzufügen weiterer Spiegel, Flächen und Perspektiven an den Wänden. Paula Fröhlich offeriert den Betrachtenden je nach Standpunkt und Tageszeit immer wieder neue Möglichkeiten, Räumlichkeiten in der Verschränkung von Innen und Außen wahrzunehmen, und konfrontiert sie in der Spiegelung gleichzeitig mit sich selbst. So versteht Fröhlich den Spiegel als materiellen Inbegriff von Reflexion: mit sich selbst, mit dem physischen, bildnerischen und metaphysischen Raum.

Paula Fröhlich, geboren 1994 in Bensberg bei Köln, studiert Freie Kunst an der Kunstakademie Münster sowie Kunst auf Lehramt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Den ersten Teil ihres Lehramtsstudiums schloss sie im Frühjahr 2017 mit einer Bachelorarbeit zum Thema Bewusstseins- Strategien im Zeitalter der Simulation. Ästhetische Erfahrung als Gegenkraft zum modernen Ikonoklasmus ab. 2019 wurde sie von Prof. Klaus Merkel zur Meisterschülerin ernannt. Wie auch in der Theorie legt sie in ihrer künstlerischen Arbeit den Schwerpunkt auf kunstphilosophische Diskurse.