2020 kooperiert der Westfälische Kunstverein erneut mit dem Bétonsalon – Centre d’art et de recherche in Paris, (nach der erfolgreichen Koproduktion „The Pale Fox“ von Camille Henrot in den Jahren 2014/15). Erneut handelt es sich um die erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland und Frankreich einer französischen Künstlerin, Ève Chabanon, die an einem diskursiv-performativen Langzeitprojekt arbeitet, dessen Fortschreiten wir in zwei unterschiedlichen Präsentationen in Paris und Münster begleiten wollen.

Ève Chabanons (*1989, F, lebt und arbeitet in Brüssel) Ausstellung „The Surplus“ baut auf ihrem Projekt „The Surplus of the non-producer“ auf, das die Künstlerin 2016 begann. Ihre künstlerische Arbeit kreist hier um die ökonomische Kategorie des „Surplus“, des „Mehrwerts“. Grundsätzlich das Produkt einer kapitalistischen Gesellschaftsform, entsteht der Mehrwert im marxistischen Verständnis aus der Differenz zwischen Wert/natürlichem Preis und Marktpreis. Der Marktpreis ist nicht einfach identisch mit den angefallenen Produktionskosten (Arbeitslohn, Material) – erst durch den Preisaufschlag, den Mehrwert, verdient der Kapitalist sein Geld. Zugleich gilt Arbeit, die keinen Mehrwert schafft, als „unproduktive Arbeit“.

Die Idee der unproduktiven Arbeit greift Chabanon mit ihrem Begriff der „non- producer“ auf. Sie fasst hierunter im Speziellen KünstlerInnen, (Kunst- )HandwerkerInnen und andere Kultur-schaffende, die sich aufgrund von Migration im Exil befinden und Schwierigkeiten haben, ihrer Profession nachzugehen. 2016 begann Chabanons Arbeit mit einigen sogenannten „non-producers“ aus der Region rund um Paris, mit denen sie eine Art „Denk-Kooperative“ gründete. Hier ging es um einen transkulturellen Austausch von Wissen und Fähigkeiten und um das Entwickeln einer Gemeinschaft.

Aus diesem nun drei Jahre andauernden kollaborativen Prozess entwickelt Ève Chabanon eine Installation sowie Fragmente eines noch fertig zu stellenden Videos für die Ausstellungen in Paris und Münster.
Die Ausstellung markiert somit einen Zwischenschritt, ein Durchatmen und eine Standortanalyse des so langwierigen und intensiven Projekts. Das Thema des Werts der eigenen (meist vermehrt immateriellen) Arbeit in der eigenen und/oder fremden Kulturlandschaft bleibt der rote Faden des Projekts.