Was haben ein Kassettenrekorder, eine Porzellantasse und Asterix und Obelix gemeinsam? Sie sind aus den verschiedensten Gründen Teil des Stadtmuseums Oldenburg. Am Beispiel dieser und weiterer Objekte aus der Sammlung gibt die neue Ausstellung „Entdeckt, bewundert, aufgehoben. Vom Sammeln und Zeigen“ Einblicke in die alltägliche Museumsarbeit. In Stationen aufgeteilt, benennt sie die klassischen Aufgabenbereiche eines Museums – Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen – und gewährt neue Perspektiven auf die Sammlung. „Wir zeigen Objekte, deren Herkunft unbekannt ist, die eine spannende Geschichte erzählen oder die noch nie ausgestellt wurden“, sagt Franziska Boegehold-Gude, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Sammlung des Stadtmuseums betreut.

Das Stadtmuseum kann auf über 100 Jahre Sammeltätigkeit zurückblicken: angefangen bei der Sammlungstätigkeit des Museumsgründers Theodor Francksen (1875-1914) über Nachlässe und Schenkungen bis zu Ankäufen. Fand das Sammeln in den ersten Jahrzehnten des Museums eher ungeordnet statt, so wurde es mit der Zeit gezielter, um bestimmte Schwerpunkte zu setzen und Sammlungslücken zu schließen. „Unsere über 100-jährige Sammlung hält manche Überraschung parat“, verrät Franziska Boegehold-Gude und zählt auf: „Von der Schreibfeder von Großherzog Nikolaus Friedrich Peter (1827-1900) über Granatsplitter aus dem Deutsch-Französischen Krieg (1871), Kugelfische und andere Tierpräparate bis zum Hebesignal der Cäcilienbrücke. Selbst die Toilettenschilder der öffentlichen WC-Anlage des früheren Hallenbades neben dem Schloss sind Teil unserer Sammlung.“ Ob die Schilder endgültig in den Bestand des Museums übernommen werden, dazu dürfen die Museumsgäste mit einer Abstimmung eine Empfehlung geben. Da die Schilder bisher nur vorläufig dem Museum übergeben worden sind, ist solch ein Vorgehen möglich. „Normalerweise findet die Deakzession, also das Aussondern oder auch ‚Entsammeln‘ von Objekten, aber nach strengen Regeln statt und braucht eine stichhaltige Begründung“, erläutert die Wissenschaftlerin Boegehold-Gude.

Neben dem Sammeln und Bewahren ist das Forschen eine der Hauptaufgaben im Museum. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter recherchieren, welche Geschichten die Objekte erzählen oder woher sie stammen und verorten sie im historischen Kontext. „In gewissem Sinne ist das wie Detektivarbeit“, so Boegehold-Gude. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Inventarisierung, also wo und wie welche Informationen über ein Sammlungsstück festgehalten werden, und präsentiert ausgewählte Stücke aus den verschiedenen Objektgruppen, darunter beispielsweise Asterix- und Obelix-Kaugummifiguren (Objektgruppe Kinderspielzeug), einen Kassettenrekorder (Technisches Gerät), eine Lebensmittelkarte von 1942/43 (Gebrauchsgrafik), einen Plan der Stadt Oldenburg von 1690 (Karten und Pläne) und eine Damen-Unterhose von 1900 (Textilien).

Und was sammelst du? Aufruf an die Museumsgäste
Die Sammlung im Stadtmuseum umfasst ein breites Spektrum und bietet damit vielfältige Ansätze für Ausstellungen zu ganz unterschiedlichen Themen. In der Schau „Entdeckt, bewundert, aufgehoben“ erfahren die Museumsgäste, wie eine Ausstellung entsteht, welche Hilfsmittel es zur Präsentation gibt und welche Aufgaben dabei die verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Museum übernehmen. „Unser Anspruch ist, das kulturelle Erbe Oldenburgs zu bewahren und den Menschen zugänglich zu machen“, sagt die Museumspädagogin Sandrine Teuber. „Dabei möchten wir unsere Besucherinnen und Besucher einbeziehen und mit ihnen in einen Dialog treten.“ Die Ausstellung stellt ihren Gästen deshalb auch die Frage „Und was sammelst du?“. Die Besucherinnen und Besucher können die eigene Sammlung oder das Lieblingsstück von zu Hause vorstellen und in Form von Foto und Karteikarte der Ausstellung hinzuzufügen. Die Mitmach-Station wird den jeweils aktuellen Maßnahmen gegen Corona angepasst werden. Auch online können sich die Oldenburgerinnen und Oldenburger beteiligen. Wer mitmachen möchte, kann auf der Website www.was-sammelst-du.de mehr dazu erfahren.