„Night Watch“ entstand während eines einjährigen Stipendienaufenthalts des, wie Ian Wiblin (*1960) es für sich benennt, an Zwischenräumen‘ interessierten Fotografen und Filmemachers in der britischen Universitätsstadt Cambridge. In zumeist menschenleeren, nächtlichen Langzeitbelichtungen entwickelt sich ein komplexer Disput aus tiefer Dunkelheit, leuchtenden Schatten und silbrig gleißendem Licht. Dabei wird das visuelle Zeichensystem, das Cambridge als ein im Sumpf errichteter Hort britischer Bildungstradition bietet, über einen höchst sublimen Einsatz fotografischer Mittel poetisch verdichtet. Die marmorne Büste vor den Büchern einer altehrwürdigen Bibliothek, der herrschaftliche Stiefelschaft auf einem Gemälde in barockem Rahmen, sumpfige Landschaften und repräsentative Architekturen fügen sich in Fern- und Nahsichten zu einem filmisch anmutenden fotografischen Essay über das Verhältnis von Natur und Zivilisation, von Wissen und Macht.