Der Bildhauer Jussuf Abbo (um 1890–1953) war ein arabischer, in Safed (Osmanisches Reich) geborener Jude. Ab 1911 lebte er in Berlin. Dort, aber auch in anderen Städten Deutschlands, fand er in den 1920er-Jahren große Anerkennung. Wichtige Galeristen der Moderne wie Paul Cassirer zeigten seine Arbeiten, Museen wie die Nationalgalerie in Berlin und das Angermuseum in Erfurt erwarben seine Werke. Er bewegte sich mitten in der Avantgarde und war neben den bildenden Künstlern auch mit Literaten wie Else Lasker-Schüler (1869– 1945) oder Gerhart Hauptmann (1862–1946) bekannt.

Besonders seine einfühlsamen Porträts und Köpfe zeugen von der großen Qualität, aber auch von der künstlerischen Vielseitigkeit seines Werks. Virtuos beherrschte er verschiedene Materialien und die eigenhändige Nachbearbeitung seiner Güsse. Umsichtig gestaltete er die Struktur der plastischen Haut und setzte Volumen und Flächen zur Gliederung der plastischen Massen in Beziehung. Ein genauer Blick auf die bildnerischen Details und die technische Umsetzung ist daher immer lohnenswert.
1935 floh Jussuf Abbo vor den Nationalsozialisten nach England, wo er seine Karriere jedoch nicht fortsetzen konnte und vergessen wurde. Erstmals erschien nun eine umfangreiche Monografie zum Werk des Künstlers. Buch und Ausstellung, eine Kooperation mit dem Kunsthaus Dahlem in Berlin, arbeiten diesem Vergessen entgegen und erinnern an den enormen kulturellen Verlust für die deutsche Kultur nach 1933.