Birgit Werres (*1962 in Stommeln, lebt und arbeitet in Düsseldorf) kann zaubern. Ihr gelingt es, einen einfachen Draht in eine geschwungene Linie im Raum zu verwandeln, ein Knäuel aus Spanngurten im dynamischen und komplexen Miteinander aus Formen, Farben und Texturen eines Baumwollnetzes zu vereinigen. Verspielt und streng entfalten ihre Arbeiten eine Dynamik im Raum, die mit der Bewegungsfülle des Barocks genauso umschrieben werden kann wie mit einer minimalistischen Entscheidung, die auf alles Unnötige verzichten will und auf die Möglichkeiten des Materials vertraut. 

Seit den 1990er-Jahren durchstreift die Künstlerin Straßen, Baustellen, industrielle Brachen, Fabriken und Fertigungsanlagen auf der Suche nach Materialien für ihre Skulpturen und Wandobjekte. Früher waren diese Anlagen noch ein Eldorado der Materialbeschaffung. Heute, in Zeiten des Recyclings, gleichen sie mitunter Hochsicherheitstrakten, wie die Künstlerin erst kürzlich im Gespräch bemerkte. Denn Recycling ganz anderer Art betreibt sie: Metalle, Kunststoffe, Behälter, Draht und undefinierbares „Zeug“, das alles findet Eingang in ihre Arbeit im Atelier. Es sind sprechende Relikte aus der Produktion, Reste, die Spuren von Benutzung tragen, minimalistisch wie schön, die Birgit Werres zu Objekten im Raum zusammenfügt. Das trägt eine Geschichte in sich und wird zugleich zum Objekt, das einen neuen Platz einnimmt.