„Im Unsichtbaren das Sichtbare finden“, lautet das Credo des renommierten Lichtinstallations-Künstlers Ludger Hinse, den die Kunsthalle Schweinfurt nun in Kooperation mit dem Bistum Würzburg und dem Ev.-Luth. Dekanat in Schweinfurt ausstellt. Bei seinen Arbeiten handelt es sich um sensible Kunstaktionen, die im Dialog von Objekt, Betrachter und Raum unterschiedliche Wahrnehmungsebenen ansprechen. Jörg Loskillbeschreibt es treffend: „Ludger Hinse besitzt durch seinen Glauben ein tiefes Verhältnis zu den architektonischen, räumlichen und lichtbetonten Verhältnissen einer Kirche als sozialeSkulptur“.

Der Raum der Kirche ist ein Raum des Glaubens und der Kunst. Besonders das Kreuz als Kunstgegenstand von höchster Symbolkraft, als Sinnbild der Erlösung und der Auferstehung, ist deshalb zentrales Ausdrucksmittel. Als Werkstoff dient Ludger Hinse einfaches Plexiglas, das mit einer stark reflektierenden Folie überzogen wird und so das ganze Spektrum der Farben wiedergibt. Geraten seine Kreuze in Bewegung überträgt sich das mystische Lichtspiel automatisch auf den Raum und möglicherweise auch auf den Betrachter, der von der besonderen Aura der Licht-Kunst-Aktion in den Bann gezogen wird. In gewisser Weise ist dieses Phänomen mit dem ursprünglichen Raumeindruck von mittelalterlichen Kirchen zu vergleichen, wenn die Morgensonne durch die buntfarbenen Fenster der Apsis dringt und diesen heiligen Bereich in Licht taucht.

Das Schweinfurter Konzept, den Künstler sowohl in der katholischen, als auch in der evangelischen Kirche, sowie im Krankenhaus St. Josef in nächster Nähe zur Kunsthalle zu verorten, eröffnet an allen Orten eine Vielzahl von ungewöhnlichen wie reizvollen Eindrücken. Die Einbindung der profanen, aber in ihrer Größe und Ausstrahlung selbst sakral anmutenden so genannten Großen Halle im Museum, also dem Bereich des ehemaligen Ernst-Sachs-Bades, in dem einst das Schwimmbecken verankert war, ergibt weitere spannende Perspektiven. Hinses Werke, ihr mystisch gefärbtes Licht und die bemerkenswert schlichte Innenarchitektur der Kunsthalle verschwimmen dort zu einem zeitgenössischen Gesamtkunstwerk im barocken Sinne.

Ludger Hinse, geboren 1948 in Recklinghausen, stellt zum fünften Mal, nach Nürnberg, Würzburg, dem Coburger Land und der fränkischen Rhön, in Franken aus. Er hat über 250 Einzelausstellungen in vielen Teilen der Welt durchgeführt, wie etwa am Haus am Lützowplatz in Berlin, im Kunstmuseum Bochum, im Landesmuseum Emden, in der Kunsthalle in Brünn, Tschechien, im Museo Barjola Gijon, Spanien, im MAC Santiago de Chile, in der Galerie Conde in Paris, im Museum ter Apel in den Niederlanden, in der

St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin.

In über 60 Orten sind seine Arbeiten im öffentlichen Raum und in Kirchen in Europa präsent, von der schottischen Insel Iona bis zum Brüningpass in der Schweiz, vom Museum Rheine bis zur Hedwigskathedrale in Berlin, vom Museum ter Apel in den Niederlanden bis nach Oviedo in Spanien.

Die Ausstellung steht auch im Zeichen neuer Veranstaltungsformate der „Akademie Kunsthalle“, die in Rubriken wie „Kunst und Kirche“ oder „Kunst und Konzert“ unter demJahresthema „Wahrnehmung“ stattfinden. Mit Vorträgen, musikalischen Darbietungen und Tischgesprächen, die Publikum, Künstler und verschiedene Experten in Austausch treten lassen, ist ein spannendes, abwechslungsreiches Rahmenprogramm geschaffen, das im mystischen Farben- und Lichtspiel der Ausstellung „Lich T raum“ seinen einzigartigenRahmen findet. Ein besonderer Glanzpunkt wird der Gottesdienst zur Osternacht in der Kunsthalle sein, der mit einem Osterfeuer auf dem Vorplatz des Museums einstimmt und schließlich zur Feier der besonderen Art am ausgefallenen, bunt beschienenen Ort lädt.

Dass sich zwei Kirchen sowie die vielen weiteren Ausstellungsorte und -akteure beteiligen, spiegelt die tiefe Wertschätzung für den Künstler Ludger Hinse wieder und unterstreicht die deutlich überregional ausgerichtete Strahlkraft der Ausstellung.