Die Welt ist in Bewegung: Alte Ordnungssysteme wandeln sich und scheinen weniger verlässlich, sicher geglaubte Errungenschaften wie die Schaffung einer offenen, friedlichen Welt sind durch rechte nationalistische Strömungen bedroht. Angesichts der global zunehmenden Gefährdung von Menschenrechten, wird es immer wichtiger, Position zu beziehen.

Die von Beate Eckstein und Annelie Pohlen kuratierte Ausstellung mit vierzehn aktuellen und ehemaligen Kunststipendiat_innen ist Teil des stiftungsweiten Projekts der Friedrich-Ebert-Stiftung „Für ein besseres Morgen“, das zentrale Zukunftsfragen wie Europa, technologischer Wandel und Fortschritt , Migration und Integration, Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung, Demokratie und sozialer Zusammenhalt sowie Nachhaltigkeit behandelt.

Ein Blick in die nicht allzu weit zurück liegende Geschichte genügt, um festzustellen, wie schnell jede dogmatische „Vision“ von Gruppierungen, die sich für überlegen halten, alle sozioökonomischen, geopolitischen und zivilisatorischen Grundlagen von Gesellschaften zersetzen kann.

Die Ausstellung stellt die Frage, ob Kunst, bzw. ob die vierzehn durch ihre grenzüberschreitenden Biographien geprägten Künstler_innen sich in einem von apokalyptischen Zukunftsvisionen geprägten Wettstreit um die besten Lösungsmöglichkeiten mit ihren komplexen Reflexionen Gehör verschaffen können. Sie können dies nicht nur, sie stehen auch mit ihrem jeweils individuellen Blick auf Grundfragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens für eine künstlerische Auseinandersetzung, in der sich alle Künste zu Recht als Teil eines übergreifenden gesellschaftlichen Diskurses verstehen.

Dass ihre Annäherung an die komplexe Wirklichkeit in der Ausstellung „Fragments from now for an unfinished future” explizit jene Aspekte ins Visier nimmt, die ihnen auch aus biographischen Gründen nahe liegen, ist kaum verwunderlich. Gleichwohl verbindet ihre mal poetisch verschlüsselte, mal subversiv dokumentierende oder offensive Bildsprache das komplexe Ineinander existen eller Grundfragen in einer zunehmend enger vernetzten globalen Gesellschaft zu einem Ganzen – aller wachsenden Mauern und Abschottungen zum Trotz.

Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung: Von Saskia Ackermanns ‚Index‘ ihrer Arbeit „Begriffssystem Welt verstehen“, in dem Begriffe von Individuum und Gesellschaft über Blätter und Wände tanzen, über die Portraits von Yevgenia Belorusets und Ksenia Kuleshova aus den Communities verfolgter Minderheiten bis zu Raisan Hameeds Erzählung über Fluchtwege sowie Dario Aguirres Filmisch dokumentierten Einbürgerungsturbulenzen — neben vielen anderen Posi onen. Amir Tabatabaeis fragmen erte Module komplexer Visionen von Räumen schließlich setzen in einem spielerischen Prozess unendlich viele „Fragments from now“ aus ihren lähmenden Schubladen der Ein- und Ausgrenzungen frei.

In ihrer Wahrnehmung einer sich aus der Vergangenheit in die Gegenwart fortsetzenden Fragmentierung von Wirklichkeiten vernetzen sich die einzelnen „Fragments“ der Themenkomplexe „Für ein besseres Morgen“ zu einem aus vielen künstlerisch transformierten Bruchstücken gefügten, möglicherweise visionären Gesamtbild einer nie vollendeten „besseren“ Zukunft.


Eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiung in der Bundeskunsthalle Bonn mit:
Saskia Ackermann, Darío Aguirre, Yevgenia Belorusets, Cihan Cakmak, Soso Dumbadze, Öncü Hrant Gültekin, Raisan Hameed, Carsten Kalaschnikow, Ksenia Kuleshova, Dariia Kuzmych, Sebastian Mühl, Neda Saeedi, Amir Tabatabaei und Vilmos Veress.