Lächelnd und riesig groß blickt uns die perfekt gestylte Singlefrau der Zukunft an. Ihr lichtdurchflutetes Luxusapartment in einem transparenten Hochhaus thront über dem futuristischen Panorama der City. Auch wenn wir uns längst an diese Maxi- Werbeflächen und bunten Billboards im öffentlichen Raum gewöhnt haben und sie kaum mehr bewusst wahrnehmen, spielen diese Bilder geschickt mit unseren Wünschen und Sehnsüchten. Sie künden von glänzenden Chancen und Verheißungen eines urbanen Lebens, das in den Metropolen dieser Welt jedoch verdächtig gleich aussieht.

Die britische Künstlerin Felicity Hammond setzt sich in ihrer Arbeit mit den sozialen, politischen und ökonomischen Widersprüchen der postmodernen Stadt auseinander, deren Gebäude und Fassaden unsere kollektive Identität prägen und Zukunft suggerieren, indem sie Geschichte auslöschen. In ihren großformatigen Collagen kombiniert Hammond gefundene Bilder aus Hochglanzbroschüren der Immobilienunternehmen mit selbst aufgenommenen Fotografien. Sie erinnern an apokalyptisch aufgeladene Historienbilder, verweisen aber nicht auf konkrete Orte und dechiffrierbare Bezüge, sondern spiegeln vielmehr die zunehmende Uniformisierung der Großstädte – als Ergebnis einer Stadtentwicklung, die vom Machtkampf zwischen international operierenden Real-Estate-Firmen, renditeorientierten Investor*innen und kritischen Gentri zierungsgegner*innen bestimmt wird.

Bei Hammond trifft das selbstbewusste Versprechen der Werbung auf postindustrielle Szenerien aus Autoreifen, Bauschutt, Gipssäcken, Paletten und liegengelassenem Material einer Großbaustelle. Es scheint, als lägen beim Städtebau Digitalität und Realität, Planung und Umsetzung, Utopie und Dystopie ganz nah beieinander. Hammonds Collagen sind selten gerahmt, sie bleiben offen für die Umgebung, in der sie gezeigt werden. Material und Format passt die Künstlerin an die jeweilige Ausstellungssituation an und betont damit die Stofflosigkeit und Variabilität des digitalen Bildes, das sich ohne fixierte Form von der Wand in den physischen Raum ausdehnt.

Mit der Ausstellung Remains in Development präsentiert C/O Berlin Felicity Hammonds erste Einzelschau in Deutschland. Sie basiert auf der Monogra e Property (2019) und übersetzt erstmals Elemente des Buches in die Dreidimensionalität. Dabei bringt Hammond zentrale Arbeiten ihres künstlerischen Werks in einer neuen Konstellation zusammen: Collagen und skulpturale Objekte sind gemeinsam mit einer Installation zu sehen, die das aus der Film- und Fototechnik bekannte Verfahren des Chroma Keyings thematisiert, das für die Freistellung von Hintergründen für Werbeprospekte oder Plakate verwendet wird. Parallel zur Ausstellung im Amerika Haus realisiert die Künstlerin eine ortsspezifische Installation im öffentlichen Raum, die ihre von der Metropole inspirierten Bildmotive zurück in die Stadt trägt.

Die Ausstellung ist eine Co-Produktion mit der Kunsthal Extracity, Antwerpen.

Felicity Hammond (*1988 in Birmingham, UK) hat ihren MA in Fotografie am Royal College of Art in London 2014 abgeschlossen und ist aktuell Doktorantin an der Kingston University, UK, wo sie an einem PhD Contemporary Art Research Projekt arbeitet. Neben einzelnen Solopräsentationen in England, den Niederlanden und Kanada waren ihre Werke Teil internationaler Gruppenausstellungen u.a. in der Photographers’ Gallery (2018), dem Fotomuseum Winterthur (2017), der Tate Modern (2016) und dem FOAM Amsterdam (2016). Ihre Arbeit war für diverse Preise wie zuletzt den Deutsche Börse Photography Foundation Prize nominiert (longlist 2019) und wurde mit dem Lumen Art Prize (2018), dem FOAM Talent (2016) und dem British Journal of Photography International Photography Award (single image winner 2016) ausgezeichnet. Hammonds erstes Buch Property erschien 2019 bei Self Publish, Be Happy. Sie lebt und arbeitet in London.

Post Production, Vinyl Print, 2018, 246,5 x 238,4 cm © Felicity Hammond
12.09.2020 - 23.01.2021

Felicity Hammond. Remains in Development

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