Ab 31. Juli zeigt die Kunsthalle Schweinfurt in einer großen Sonderschau verschiedene Werkgruppen des so genannten Bananensprayers – von zugespitzt politisch bis humorvoll ironisch, aber immer von höchst aktueller Brisanz!

Mit der Spraybanane hat Thomas Baumgärtel (geboren 1960 in Rheinberg) ein Alleinstellungsmerkmal in der zeitgenössischen deutschen Kunst gefunden. Wie kaum einem anderen Künstler gelingt es ihm damit, diskussionswürdige politische Themen durch kritisches und zugleich humorvolles Hinterfragen ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken.

Diese gesprühte Banane ist für Baumgärtel auch Auszeichnung geschätzter Kulturinstitutionen und findet sich so etwa an der Tür der Kunsthalle wieder. Die Soloschau ist damit auch Ergebnis und Höhepunkt einer jahrzehntelangen Partnerschaft: Baumgärtel war in Schweinfurt beispielsweise schon zur Präsentation „20 Jahre Deutsche Einheit“ im Jahr 2009 oder zum zehnjährigen Jubiläum der Kunsthalle 2019 mit einer Kunstaktion zu Gast.

„Die Spraybanane ist für mich Ausdruck meines Freiheitskampfes, einer Freiheit, die nicht selbstverständlich ist und die gegen die Feinde der Demokratie und die Feinde der Kunst- und Meinungsfreiheit verteidigt werden muss“, erklärt Baumgärtel im Gespräch mit der Kunsthalle sein abwechslungsreich eingesetztes Hauptkennzeichen. Die Intentionen hinter der Schweinfurter Ausstellung fasst er zusammen: „Ich will aufzeigen, dass wir in Deutschland unsere eigene Sprüh- und Alltagskunst entwickelt haben die letzten 40 Jahre, die eng verknüpft ist mit unserer starken Demokratiebewegung und unserem Freiheitskampf. Wir müssen nicht immer nur in die USA oder nach Großbritannien schauen! Deshalb setze ich bewusst auf die Farben Schwarz, Rot und Gelb. Die Banane ist ja schon schwarz und gelb - und sie ist eine zutiefst deutsche Frucht!“

Mit dem Projekt „German Urban Pop Art“ holt der Künstler die Street-Art nun in den Museumsraum. Dieser bietet gänzlich andere Voraussetzungen als die „Straße“ oder die große Industriehalle im Leskanpark, Köln, in der Baumgärtels letzte Präsentation stattfand. Er selbst sagt dazu: „Mich reizt nun das Experiment, wie diese Werke in einem hellen, cleanen Museumskontext wirken werden. Ich habe anders als in Köln nur noch ein Fünftel der Fläche zur Verfügung, ich muss also selektieren und selektieren bis die mir wichtigsten Werke übrig bleiben - was die Wirkung der einzelnen Arbeiten wohlmöglich noch verstärken könnte - ich bin gespannt!“

Die Besucher erwartet ein Querschnitt durch das Schaffen des Bananensprayers. Bereits bekannte, teils provokante Werke stehen tagesaktuellen Arbeiten etwa zum Thema Corona oder der jungen Black-Lives-Matter-Bewegung gegenüber. Stilistisch reicht das Repertoire dabei von der plakativen Spraybanane, die positiv und negativ interpretierbar ist, bis zum feingliedrigen „Bananenpointillismus“.

Mit großen Installationen ist vor allem die aufwändige Gesamtinszenierung ein wichtiger Teil des Ausstellungskonzepts. Objekte wie etwa der „Ruhende Verkehr“, der von einer Arbeit Wolf Vostells inspiriert ist, schaffen damit direkte Bezugspunkte zur Sammlung der Kunsthalle Schweinfurt. Bis 16. August sind passend dazu noch die politischen Fluxus- Künstler um Vostell, wie etwa Joseph Beuys oder Sigmar Polke, in der Schau „ich kenne kein Weekend“ zu sehen. Im Themenbereich „Individuum und Gesellschaft“ der ständigen Sammlung im Untergeschoss setzt sich der gesellschaftliche und politische Diskurs fort.

Thomas Baumgärtel wurde 1960 in Rheinberg im nordwestlichen Ruhrgebiet geboren und ist dort aufgewachsen. 1983 kreuzigte er eine Bananenschale während seiner Zivildienstzeit in einem katholischen Krankenhaus, eine aufsehenerregende Aktion, die als Initialzündung der Entwicklung zum Bananensprayer diente. Ab 1985 studierte er Freie Kunst an den Kölner Werkschulen und war Meisterschüler von Professor Franz Dank. Daran schloss er ein Studium der Psychologie sowie eine Ausbildung zum Kunsttherapeuten an. Es folgten zahlreiche Ausstellungen und internationale Markierungen herausragender Kunstorte mit der Spraybanane.