2019 erhielt Benjamin Houlihan, 1975 in Olpe geboren und heute in Düsseldorf lebend, den dotierten Förderpreis mit dem Schwerpunkt auf Bildhauerei. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Lothar & Christel Fischer Stiftung und der Stadt Neumarkt vergeben und ist im Folgejahr mit einer Ausstellung verbunden.

Mit Benjamin Houlihan hat sich die Jury unter dem Vorsitz von Marie-José van de Loo für einen Künstler entschieden, der nach seiner Ausbildung zum Steinmetz, ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf aufnahm, das er 2007 als Meisterschüler von Georg Herold abschloss. In seinem zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion oszillierenden Werk verknüpft Benjamin Houlihan mit Ironie und Leichtigkeit gattungsübergreifend Malerei, Skulptur und Architektur. So auch bei seinen Reliefs und Plastiken aus koloriertem Polyurethanschaum, der materialbedingt von ihm eine zügige Arbeitsweise erfordert. Bewusst setzt sich der Künstler dabei mit dem Verhältnis von Körper, Raum und Umraum sowie Masse und Volumen auseinander. „Wie verkörpert man Masse, wie Leere, und was bedeutet Raum?“ fragt Houlihan, der sich selbst als „klassischen Bildhauer“ versteht. Er erforscht klug die Sehgewohnheiten und Wahrnehmung der Betrachtenden und stellt immer wieder unsere Vorstellungen von Vertrautem neu auf die Probe. Dies verdeutlicht auch seine Rauminstallation mit kleinen Plastiken aus Zinn wie Pilz, Hahnoder Ballon, die er wie selbstverständlich ohne Sockel auf den Boden platziert. Mit kleinen Lebewesen vergleichbar, stehen die Figuren und Objekte mal für sich, mal treten sie in einen geheimen Dialog miteinander oder agieren als Gruppe. Auch der Betrachter lässt sich, je nachdem, ob er die Frosch- oder die Vogelperspektive einnimmt, intensiv auf die Figurenwelt ein oder bleibt beobachtender Außenseiter. „Wie ndet man sich in der Welt zurecht? Was ist eine Grenze und wo ndet diese statt? Was schafft Zugehörigkeit und was Verhältnismäßigkeit? Was ist Identität? Was bedeutet Nähe, was Distanz? Was ist Etwas und was ist Nichts?“ So lauten die Fragen, mit denen sich der Preisträger selbst immer wieder konfrontiert sieht. Die Zinngüsse stehen in seinem künstlerischen Schaffen in direktem Bezug zu seinen Zeichnungen, die er wiederum stets im bildhauerischen Kontext verortet. Bewusst werden in der Ausstellung den großen, kraftvollen, farbigen Reliefs aus Polyurethanschaum die kleinen, poetisch anmutenden Zinngüsse gegenübergestellt. Beide Werkkomplexe bezeugen Benjamin Houlihans höchst eigenständiges und lebendiges, bildnerisches Denken, das es, trotz internationaler Präsenz des Künstlers, in seiner Vielschichtigkeit noch zu entdecken gilt.

Unser herzlicher Dank geht an das Vorschlagsgremium Dr. Stefan Borchardt, Dr. Marion Bornscheuer, Johan Holten, Barbara Leicht M.A., Prof. Olaf Metzel und Leunora Salihu sowie an das Entscheidungsgremium, bestehend aus Mitgliedern des Vorstands und des Kuratoriums der Lothar & Christel Fischer Stiftung.